Inspektionsreisen durch die Stilwelt

Tag archive

DDR

Zug nach Nirgendwo

von
GF_PotsdammDDRBahnhof4

GREETINGS FROM GEISTERBAHNHOF  Wenn schon falsch, dann richtig! Zu den Skurrilitäten des DDR-Mauerbaus gehörte, daß das Berliner Umland vergessen sollte, daß es sowas wie Westberlin überhaupt gab. In DDR-Atlanten erschien die Gegend zwischen Wannsee und Brandenburger Tor wie eine Art leeres Weideland und Bahnstrecken, die den Grunewald passierten, wurden im weiten Bogen südlich von Berlin umgelegt – nicht nur auf Landkarten. So kam es, daß Potsdam einen neuen Hauptbahnhof weit weg mitten im Wald bekam und wer von Unter-den-Linden zum Sommervorort der Preussenkönige wollte, war länger unterwegs als einst alle Friedrichs mit der Kutsche, trotz russischer Sputnik-Züge via Schönefeld. Schönefeld? Ja, genau das kann jetzt die zweite Zukunft des längst wieder verlassenen Potsdamer Bahnhofs werden – als Expressstation Richtung neuem Flughafen. Der steht ja heute schon in Karten eingezeichnet, obwohl gar nicht da. So wiederholen sich Skurrilitäten. Amüsierte Grüsse von ROLF      

Keep Reading

Es war nicht alles schlecht

von
EsWarNichtAllesSchlecht

GRRETINGS VOM FORTSCHRITT Wie relativ doch alles ist. Sieht das wunderschön streng-gerasterte Haus oben nicht aus wie eines der ganz neuen wunderbaren Bürohäuser rund um den Berliner Hauptbahnhof aus den 10er-Weltstadt-Boomjahren des 21. Jahrhunderts?  In Wirklichkeit sehen wie hier einen späten Sieg des Sozialismus. „Überholen ohne einzuholen“ wollte der ja den Kapitalismus. Und er hat’s  ja teilweise geschafft, nur hatte er es selbst nicht gemerkt. Denn das Bild oben zeigt das Außenministerium der DDR, 1964 von Nationalpreisträger Josef Kaiser entworfen, 30 Jahre später wie auch der gegenüberliegende „Palast der Republik“ abgerissen. Was sagt uns das? Pech gehabt, bestraft vom Leben: gestalterisch kam der Bau 50 Jahre zu früh – und er stand zwei Kilometer zu weit östlich. Ost-West-Grüsse sendet ROLF  

Keep Reading

Warum Potsdam?

von
IMG_0344

GREETINGS VOM ORTSWECHSEL Treuen greetingsfrom-Empfängern bin ich noch ein paar Zeilen schuldig, wie man auf die Idee kommen kann, Hamburg tschüs zu sagen, um nach Potsdam zu ziehen. Die kürzeste Version: Mag Hamburg die schönste Stadt der Welt sein – Potsdam ist eindeutig die schönste Stadt Deutschlands. Wer schonmal hier war, braucht nicht weiterzulesen, für die anderen (was noch ziemlich viele sind) so kompakt wie möglich, warum die kleine 180.Tsd-Großstadt so besonders ist. Einiges steht in Kultur- und Reiseführern, viele Friedrichs und Wilhelms haben sich hier nahe Berlin (mit der Kutsche: vier Stunden) ihre Sommerschlösser bauen lassen und dabei hat jeder seine exotischen – meist französische, italienische oder englische – Träume verwirklicht und sich drumherum auch noch immer neue Naturparks zwischen die brandenburgischen Havelseen anlegen lassen. Und selbst Krieg und DDR haben davon das meiste stehen gelassen. Das ist nämlich die zweite Besonderheit, und die steht so in keinem Reiseführer, denn sie ist nicht frei von Absurdität, Dialektik und…

Keep Reading

Vorsicht, Spione!

von
GlienickerBrücke2

GREETINGS FROM HOLLYWOOD Achtung Autofahrer, ab sofort Vollsperrung Glienicker Brücke, Umleitung über die Autobahn 115, voraussichtlich fünf Tage lang – schuld sind Spione. Sowas hört man natürlich nicht im Verkehrsfunk. Um die gusseiserne Brücke zwischen Berlin und Potsdam, Teil der historischen B 1,  kursieren viele Legenden. Zu Mauer- und Kalte-Kriegs-Zeiten wurden hier Spione zwischen Russland und Amerika ausgetauscht, und wie das geschah, das war filmreif – weil es auch für Wochenschauen und Propagandabilder inszeniert wurde.   Hollywood hätte es nicht besser machen können. Oder doch? Steven Spielberg versucht es an diesem Wochenende. Mit Tom Hanks als Austauschvermittler. Und mit deutschem Filmförderungsgeld  – deshalb drehen US-Studios seit ein paar Jahren so gerne rund um Berlin. Eine Garantie für grosses Kino ist das nicht immer – Clooneys „Monument Men“ z.B. fand ich langweiliger als ein Nespresso-Clip. Mehr demnächst im Kino, ab Herbst 2015. Ich muss Schluss machen, da vorne fahren Autos vor. Wann kann mal schonmal „Making Of“ live sehen. Und…

Keep Reading

greetings from Wittenberge

von
image

  MEMO AN MICH Liebe Mitblogger und Mitleser, es muss dringend noch nachträglich gerühmt werden, was wir während unserer Tour mental nicht mehr leisten konnten – nämlich ein wenig stolz über unsere Leistung zu berichten, lieber Rolf, Deine Idee in die Tat umgesetzt zu haben und mit dem Fahrrad von Hamburg nach Berlin gefahren zu sein. Ein paar Tage (vier) und ein paar lädierte Knie (zwei) später hatten wir tatsächlich die Hauptstadt in Sichtweite. Ein befriedigendes Gefühl. Und unterwegs eine lehrreiche Tour. Dass Dörfer immer irgendwie verlassen erscheinen, bzw. während der Durchfahrt durchweg menschenleer, ziemlich depressiv hüben wie drüben (sagt man ja eigentlich nicht mehr), Tiefpunkt im ehemaligen Westen: Schnackenburg; die Erkenntnis, dass die DDR wohl DDR bleiben wird, jedenfalls, wenn man Orte wie Rathenow sieht, die mit billigen Brillengläsern für Fielmanns Reichtum gesorgt haben, aber ihre (wohl mageren) Gewinne garantiert nicht in die Verschönerung des Stadtbildes gesteckt haben. Oder eigentlich…

Keep Reading

Go to Top