Inspektionsreisen durch die Stilwelt

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Architektur

Auf der Suche nach Rehen

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GF_Kudammtheater226

  GREETINGS FROM VERSCHWINDEN So, das wars jetzt; gestern abend um 21:10 fiel, nein: schloss sich in den sogenannten Kudamm-Theatern der letzte Vorhang vor dem Total-Abriss. Am Ende, als es nicht mehr zu ändern war, tat es eigentlich allen leid, außer vielleicht dem Investmentfonds „Mars Propco 1“, der in dem riesigen Block neu bauen will. Sieht mans rein ästhetisch, ist das Todesurteil allerdings schon 44 Jahre alt, seit nämlich in den Siebzigern das sogennante Kudamm-Karree brutal über die historischen Bühnen – immerhin Original Max Reinhard -und Oskar Kaufmann-Sääle – gestülpt wurde, ihnen ihre eigenen Fassaden nahm und nur noch schmale Billigkino-ähnliche Entrees liess. Wer soll hinter solchen Eingängen – vielleicht außer Harald Juhnke – irgendetwas Schützenwertes erwarten? Was zu der interessanten Frage führt, wo sich überhaupt die vielgerühmte Aura aufhält, wie man sie in neuere Zeiten führt und wann sie verschwindet. Wie fragil das ist, lässt sich gerade am Kudamm mehrmals beobachten. Das Wirtschaftswunder-Café Kranzler vertrug zwar durchaus noch einen 4 fach grösseren Glasüberbau von Hellmuth Jahn…

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100 Jahre Einfachheit – und ein verdrängtes Ornament-Verbrechen

von
GF_Entstuckung8

  GREETINGS FROM STUCK Was für eine Erfolgsgeschichte! Man wird sie bald überall lesen können, wenn auch wohl nicht komplett. Würde man nämlich das bevorstehende 100 jährige Bauhaus-Jubiläum (1919-2019) medial ähnlich gross als Serie aufbereiten wie wir es von SpiegelSternZeit zu 100 Jahre Kriegsanfang, 100 Jahre Kriegsende, 100 Jahre Machtergreifung, 100 Jahre RAF etc. gewohnt sind, könnte man also die Erfindung der Moderne nochmal ausführlich nacherleben, den langen Weg vom überladenen Kitsch-Plüsch-Historismus zur strahlend weissen Bauhaus-Stringenz, die heute unser Leitbild  ist – man stieße auch auf eine verdrängte, dunkele, traurige Seite:  die sogenannte Entstuckung. Dafür wurden, beginnend in den 20er- aber bis weit in die 60er Jahre, von Gründerzeitfassaden schmückende Säulen, Friese und Türmchen abgeschlagen, um die Häuser moderner wirken zu lassen – zu den Propagandisten gehörten Helden der Moderne wie Erich Mendelsohn oder Peter Behrens. In Berlin Kreuzberg oder Charlottenburg gibt es Altbaustrassen, in denen jedes zweite Haus entstuckt wurde. Ich habe das lange nicht gewusst und hielt manche Schlicht-Putzfassade für…

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Glücklich ist, wer vergisst

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Kraftwerk Dresden

GREETINGS FROM STAATSOPERETTE Schnell noch ein unbelasteter Gruss aus Dresden/Sachsen, bevor hier Rechte dreistellige Siege melden. Kann man ein Land (heute Bundesland, früher Königreich, Freistaat, Bezirk) ernst nehmen, das in der Alltagssprache ein Wort wie NU verwendet, wenn es JA meint? Oder das noch 1967 eine „Staatsoperette“ etabliert? Wie und wo diese allerdings seit neuestem residiert, dürfte Besucher in der Tradition der 67er-Helden Rudolf Schock und Anneliese Rothenberger ziemlich erschrecken. Und auch wir postsozialistischen Stadtbilderklärer staunen: Fledermaus und Weisses Rössl laufen jetzt, ein paar hundert Meter von der Semperoper entfernt, in einem hypermodern umgebauten Innenstadt-Gasheizwerk aus den 20er Jahren. In den Nachbarhallen ein Alternativ-Theater, ebenfalls im  coolen Ziegel-Stahl-Glas-Look; das ziemlich grosse Restareal soll Kreativen offenstehen. Lohnt es sich auch für nicht Operettenfreunde? Ich sag mal: Nu! Beeindruckte Grüsse sendet ROLF

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DDR-Style

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GF_DDRStyle2

GREETINGS FROM DDR-DECO War da was? Was eigenes? Greetings From will nun nicht Wallpaper übertreffen, das sich bei neu entdeckten rumänisch-bulgarischen Plattenbauten jedesmal wegwirft vor architektonischer Begeisterung. Aber man stösst in den Ost-Bundesländern durchaus immer wieder auf Spuren eigener und eigenwilliger Gestaltungsideen –  und zwar meist im Kleinen. Der Westen hatte seine Kunst am Bau, der Osten Betonsteine im seriellen Raster, wenns ganz verwegen sein sollte, auch schon mal sehr volkseigenen asymmetrisch. Und wenn man ehrlich ist gegenüber der sozialistischen Ästhetik: Es war nicht alles schlecht. Rastergrüsse sendet ROLF  

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Exotik an der Elbe

von
GF_Dresden4

GREETINGS FROM DRESDEN Eine Kuppel wie auf Kairoer Kalifengräbern, ein Schornstein wie ein Minarett-Turm: Als der Orient noch exotisch aber ansonsten weit weg war, liess sich 1909 der Dresdner Fabrikant Hugo Zietz eine neue Zigarettenfabrik als „Tabakmoschee“ bauen. Klein schmückte sie als Signet die Packungen von „Salem Aleikum“-Zigaretten, gross steht sie noch immer am Dresdner linken Elbufer – ein Wunder nach Flächenbombardierung und DDR Tristesse – und beherbergt heute Büros und ein Restaurant. Bei dem schönen Wetter aber lieber rüber auf die andere Elbseite, ins Ballhaus Watzke, auch ein Dresdner Original. In der Sonne geht der Blick aus dem Biergarten bis zu den Barocktürmen der City. Sehr entspannt, sehr einladend, sowas hatte ich gerne bei mir um die Ecke. Nur bitte, liebe Dresdner, hier im Ballsaal nicht so oft Herrn Höcke reden lassen. Sonst könnt Ihr Euer Bier hier alleine trinken. Von der sächsischen Elbe grüsst ROLF  

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