Inspektionsreisen durch die Stilwelt

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Tunes

Glücklich ist, wer vergisst

von
Kraftwerk Dresden

GREETINGS FROM STAATSOPERETTE Schnell noch ein unbelasteter Gruss aus Dresden/Sachsen, bevor hier Rechte dreistellige Siege melden. Kann man ein Land (heute Bundesland, früher Königreich, Freistaat, Bezirk) ernst nehmen, das in der Alltagssprache ein Wort wie NU verwendet, wenn es JA meint? Oder das noch 1967 eine „Staatsoperette“ etabliert? Wie und wo diese allerdings seit neuestem residiert, dürfte Besucher in der Tradition der 67er-Helden Rudolf Schock und Annnelise Rothenberger ziemlich erschrecken. Und auch wir postsozialistischen Stadtbilderklärer staunen: Fledermaus und Weisses Rössl laufen jetzt, ein paar hundert Meter von der Semperoper entfernt, in einem hypermodern umgebauten Innenstadt-Gasheizwerk aus den 20er Jahren. In den Nachbarhallen ein Alternativ-Theater, ebenfalls im  coolen Ziegel-Stahl-Glas-Look; das ziemlich grosse Restareal soll Kreativen offenstehen. Lohnt es sich auch für nicht Operettenfreunde? Ich sag mal: Nu! Beeindruckte Grüsse sendet ROLF

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Ich glaub‘, mein Schwein singt

von
GF_TiereInDerOper

GREETINGS FROM TIER-THEATER Goodbye Video – die letzten Jahre liessen Opern- und auch Theaterregisseure fast inflationär zusätzliche Comicbilder über ihr Bühnenszenario projizieren, Kussmünder, Strichmännchen oder Scherenschnitte…; ein Effekt, der selbst Repertoire-Oldies und Standardstücke mit kindlichem Charme überstrahlte. Jetzt aber gibts einen neuen Überraschungs-Eyecatcher: Tiermasken. Das sieht sensationell aus (etwa beim „Jahrmarkt von Sorotschinzi“ in der Komischen Oper oder in der „Frau ohne Schatten“ in der Berliner Staatsoper), aber darunterzustecken und auch noch zu singen und zu spielen stelle ich mir an der Grenze der artgerechten Sängerhaltung vor. Tierisch anstrengend, wie wir Verdi-Mitglieder sagen… Überwältigte Grüsse von ROLF

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Im Gartencenter

von
GF_Palmengarten2

GREETINGS FROM WANDEL Hätte ich misstrauischer sein sollen, realistischer, bescheidener? Jahrelang schon standen die mächtigen Tropenhäuser des Berliner Botanischen Gartens auf meiner Besichtigungswunschliste: über hundert Jahre alt, beste Stahl-Glas-Architektur, wie man sie sonst nur in London, Paris oder Brüssel findet. Ist auch alles so – sehr empfehlenswert. Nur sollte man es  nicht machen wie ich. In der Hoffnung, das Erlebnis noch zu steigern, habe ich eine sogenannte „Palmensinfonie“ gebucht, ein dreistündiges „Wandelkonzert“. Die totale Enttäuschung, so voll und eng, daß man die Musiker vor lauter Menschen und Bäumen nicht sah und so abenteuerlich-romantisch wie in der Pflanzenhalle vom Baumarkt. Nächstes Mal: entweder Musik, oder Bäume oder Architektur! Klüger als vorher grüsst ROLF  

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Die letzte Weihnacht

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GREETINGS TO GEORGE Nun hat sich noch ein weiterer der ganz Großen der Popgeschichte in diesem Jahr endgültig verabschiedet – nach David Bowie, Prince und dem unerreichten Leonard Cohen jetzt also George Michael. Eine grossartige Stimme, ein Megaseller, ein vorletzter Goldesel für die Platten-Industrie. Auch Menschen mit nachweislich exquisitem Musikgeschmack haben seine Songs geschätzt. Mein Fall war er nicht so – zu glatt, zu pathetisch. Aber das allein wär mir egal. Nur eins habe ich ihm immer übel genommen: Sein Song „Last Christmas“, eher eine Liebesgeschichte als eine Jingle-Bells-Nummer, schleimt sich Jahr für Jahr ohrwurmig penetrant durch die Weihnachtszeit. Ist es jetzt eine Pointe des Schicksals, dass der Komponist ausgerechnet zu Weihnachten das Zeitliche gesegnet hat? Verschonen wird es uns in den nächsten Jahren nicht vor der schnulzigen Dauerberieselung. Du wenigstens George: Ruhe in Frieden!  

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Der Konstruktionsfehler von Schauspielern

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GREETINGS VOM WIDERSPRUCH Ein Zufall brachte mich vor ein paar Jahren in einen privaten Kreis rund um einen erfolgreichen Schauspieler. Das war sehr interessant, aber in einem völlig anderen Sinne als erwartet. Denn nach einigen netten Anekdoten aus dem Theater-Fernseh-Film-Metier kam es zu einem merkwürdigen Phänomen: bei anderen Gesprächsthemen, egal ob allgemein-aktuelle oder private, sprach der gute Mann zwar noch mit seiner tollen Mimik und der sonoren Stimme, aber aus seiner berufsgewohnten bigger-than-life-Ausstrahlung entwich von Minute zu Minute die Luft. Es fehlte halbwegs intelligenter Text. Der Schauspieler wirkte plötzlich wie ein teures Instrument mit nicht passenden Tönen, ohne Script konnte der Schauspieler keinen Schauspieler darstellen. Warum ich das erzähle? Weil gerade in Berlin ein Bühnenstück läuft („Quartett“ im Renaissance-Theater), das unter einem noch vertrackteren Phänomen leidet. Das Stück handelt vom leicht melancholischen Alltag früherer Opernsänger, die zusammen in einem Künstler-Altersheim residieren – und den Reiz der Berliner Inszenierung soll ausmachen, dass diese von echten ebenfalls in-die-Jahre-gekommenen Opernstars gespielt werden (der bekannteste ist Rene Kollo). Die…

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