Inspektionsreisen durch die Stilwelt

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West-Berlin

Auf der Suche nach Rehen

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  GREETINGS FROM VERSCHWINDEN So, das wars jetzt; gestern abend um 21:10 fiel, nein: schloss sich in den sogenannten Kudamm-Theatern der letzte Vorhang vor dem Total-Abriss. Am Ende, als es nicht mehr zu ändern war, tat es eigentlich allen leid, außer vielleicht dem Investmentfonds „Mars Propco 1“, der in dem riesigen Block neu bauen will. Sieht mans rein ästhetisch, ist das Todesurteil allerdings schon 44 Jahre alt, seit nämlich in den Siebzigern das sogennante Kudamm-Karree brutal über die historischen Bühnen – immerhin Original Max Reinhard -und Oskar Kaufmann-Sääle – gestülpt wurde, ihnen ihre eigenen Fassaden nahm und nur noch schmale Billigkino-ähnliche Entrees liess. Wer soll hinter solchen Eingängen – vielleicht außer Harald Juhnke – irgendetwas Schützenwertes erwarten? Was zu der interessanten Frage führt, wo sich überhaupt die vielgerühmte Aura aufhält, wie man sie in neuere Zeiten führt und wann sie verschwindet. Wie fragil das ist, lässt sich gerade am Kudamm mehrmals beobachten. Das Wirtschaftswunder-Café Kranzler vertrug zwar durchaus noch einen 4 fach grösseren Glasüberbau von Hellmuth Jahn…

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Verehrtes Westberliner Publikum

von
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GREETINGS VON VORGESTERN Ein Geständnis vorweg: Die sogenannte „Hommage“ an Harald Juhnke, der vor zehn Jahren starb, habe ich mir vor allem aus Neugier angeschaut. Ich wollte sehen, ob noch was da ist vom berühmten Westberliner Boulevardflair, jahrzehntelang gefeiert vom örtlichen Feuilleton, das in seinen freundlichen Premierenberichten eigentlich nur die Namen Juhnke, Wolter, Pfitzmann, Spier und Völz austauschen musste, so gemütlich war’s. Und tatsächlich: es war auch gestern Abend  noch gemütlich im Wintergarten-Varietè. Wenn man gemütlich als anderes Wort für provinziell, bieder und unterfordernd sieht. Wer klatscht, wenn Gunther Gabriel sich als der Produzent von Juhnkes letzten Musiktitel selbst lobt  – nur leider sei  „der Harald“ vor den Aufnahmen gestorben -, dem kann man wohl alles erzählen. Umgekehrt, liebes rührseliges Westberliner Publikum, bitte mal merken: Wenn ein ganzer Abend dem Andenken eines Gestorbenen gewidmet ist und die Witwe im Saal begrüsst wird – DANN klatscht man… Kopfschüttelnde Grüsse sendet ROLF    

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Die vergessenen Jahre

von
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GREETINGS VOM KALTEN KRIEG Melde mich nochmal vom Berliner Breitscheidplatz (den eigentlich keiner so nennt) zwischen Gedächtniskirche und Europacenter: hier war seit den 60ern das Zentralschaufenster Westberlins. Kein Tourist der hier nicht vorbeikam, hier fuhren die Linienbusse zum Tempelhofer Flughafen und hier stand lange, auch noch als die Mauer schon wieder  offen war und alle nach Mitte wollten, ein sehr skurriler Werbeschaukasten. Ein ziemlich fertig aussehender Harald Juhnke versucht, mit Stäbchen irgendwie eine Ente zu essen und so Gäste in ein Chinarestaurant im Bikini-Haus hereinzuwerben. Das gehörte dem Vater seiner halbchinesichen Frau, die er dort kennengelernt hatte. Alles vorbei, echter oder halbechter Glanz von gestern – ähnlich wie das gegenüberliegender Europacenter, mit Billigläden und Kartoffelrestaurants heute der provinziellste Ort der Welt. Warum ich jetzt davon erzähle? Weil in allem Ganz-Berlin-Wird-Metropole Hype sich jetzt die alten bürgerlichen Nachkriegs-Westsektoren darauf besinnen, daß sie ja auch mal ein ganz eigenes Lebensgefühl hatten, irgendwo zwischen subventioniertem…

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Der Westen leuchtet wieder

von
BikiniWestberlin

GREETINGS IN BIKINI-STIMMUNG So ab fünf gibt es im Moment keinen cooleren Platz in Berlin als die Bar-Terrasse des neuen Bikini-Hotels an der Gedächtnis–Kirche. Im zehnten Stock sitzt man hier draussen in der ersten Frühlingswärme, geniesst sein Getränk – noch mehr aber das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und dem Comeback des früheren Westberlin-Zentrums ganz entspannt von oben zuschauen zu können. Zwar halten am Bahnhof Zoo keine Fernzüge mehr (und die Westberliner scheinen darüber immer noch gekränkter zu sein als nach DDR-Blockade & Luftbrücke), aber für Autofahrer und Flaneure fühlt sich das Dreiecks-Quartier Ku’damm-Gedächtniskirche-Zoo wieder an, als wärs die deutsche Version des Times Square (und der Potsdamer-Platz nur das, was er ist: ein hässlicher Alptraum). Eindeutig hat hier Immobilienspekulationsgeld mal was positives erreicht. Natürlich hängt dieser Wiederaufstieg  mit dem Nun-Nicht-Mehr-Ganz-So-Neu-Sein von Berlin-Mitte zusammen, aber nicht nur. Zwei glückliche Bauprojekte sind es, die dem Breitscheid-Platz seine frühere Grandezza zurückgeben:…

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