Inspektionsreisen durch die Stilwelt

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Mauer

Zug nach Nirgendwo

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GREETINGS FROM GEISTERBAHNHOF  Wenn schon falsch, dann richtig! Zu den Skurrilitäten des DDR-Mauerbaus gehörte, daß das Berliner Umland vergessen sollte, daß es sowas wie Westberlin überhaupt gab. In DDR-Atlanten erschien die Gegend zwischen Wannsee und Brandenburger Tor wie eine Art leeres Weideland und Bahnstrecken, die den Grunewald passierten, wurden im weiten Bogen südlich von Berlin umgelegt – nicht nur auf Landkarten. So kam es, daß Potsdam einen neuen Hauptbahnhof weit weg mitten im Wald bekam und wer von Unter-den-Linden zum Sommervorort der Preussenkönige wollte, war länger unterwegs als einst alle Friedrichs mit der Kutsche, trotz russischer Sputnik-Züge via Schönefeld. Schönefeld? Ja, genau das kann jetzt die zweite Zukunft des längst wieder verlassenen Potsdamer Bahnhofs werden – als Expressstation Richtung neuem Flughafen. Der steht ja heute schon in Karten eingezeichnet, obwohl gar nicht da. So wiederholen sich Skurrilitäten. Amüsierte Grüsse von ROLF      

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Luftnummer

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GREETINGS FROM MAUERFALL 25 Jahre ist es her (erst? schon?), dass sich der Eiserne Vorhang in Form der Mauer, genauer eines Grenzübergangs in der Mauer öffnete und an der Bornholmer Straße die ersten Trabbis gen goldenen Westen und Begrüßungsgeld rollten. 25 Jahre Zeit also, sich auszudenken, was man zum 25jährigen Jubiläum veranstalten könnte. Das haben die Berliner natürlich erstmal sicherheitshalber untätig verstreichen lassen. Aber dann haben sich doch noch zwei Herren gefunden, Christoph und Marc Bauder, die den feierwütigen Hauptstädtern eine Art Lichterkette in Form von leuchten Luftballons entlang der ehemaligen Mauer zwischen besagter Bornholmer Brücke und Oberbaumbrücke  präsentierten. Das kann man mögen, mochten bestimmt auch viele der chronisch auf der Fanmeile herumlungernden Berliner und Touristen. Lässt sich ja auch charmant interpretieren: Statt der garstigen unüberwindlichen Mauer, jetzt liebliche Ballons, die dann in den Nachthimmel aufsteigen und sich verflüchtigen. Wie die Mauer seinerzeit. Außer dass die nicht in den Nachthimmel aufgestiegen ist.…

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Verwechslungsgefahr

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GREETINGS FROM SHOPPEN Berlin hat ja so einiges, was zum Beispiel Hamburg nicht hat: eine schnurgerade Straße mitten durch die Stadt und den Tiergarten, die nur die Ältern unter unseren Lesern vielleicht noch als „Straße des 17. Juni“ kennen (und auch noch wissen, was damals los war). Heute heisst sie fast offiziell Fanmeile. Dort versammeln sich nach tagelanger vorheriger Vollsperrung Fans von Weltmeistern, Love Parades und Mauerfällen. Genau, eine ehemalige Mauer hat Berlin natürlich auch, das 25jährige Jubiläum ihrer Öffnung wird heute von vielen Fans gefeiert, dazu bestimmt mehr in einem Folgebeitrag. Und Berlin hat, obwohl ja angeblich eigentlich Hamburg die Einkaufsstadt sein soll, eine neue Shopping-Attraktion. Am Tauentzien (die Straße, die Hannes Wader so einprägsam besungen hat: „Ich stand am Kudamm Ecke Tauentzien, die Taschen voll mit Kokain, Cocaine …“) hat schräg gegenüber vom KaDeWe, dieser vollgestopften Fratze der kapitalistischen Konsum-Doktrin, ein neues (jedenfalls für einen ahnungslosen Hamburger) japanisches…

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Berlin & Berlin

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SpreeNeu

GREETINGS IM FLUSS Ein Bootsausflug auf der Spree, kurz vor der Oberbaumbrücke. Vor 25 Jahren gehörte das Wasser hier zur DDR und das Kreuzberger Ufer war Westberlin. Keine Sorge, das wird hier kein nostalgisch-dramatischer Mauerfall-Blog, dazu gibts gerade genug spannende Fernsehwiederholungen. Dafür aber ein Hinweis in eigener Sache. Blogger-Freund Jan und ich sind eine andere Berliner Grenzlinie abgelaufen, sie kann vielleicht nicht überall mit der Dramatik der Mauer mithalten, aber sie ist aufregend in einem ganz anderen, positiven Sinn: Das Nebeneinander aus Brachen, Speichern, Hafenanlagen, City-Palais und alten und neuen Schlössern entlang der Spree bietet einen sehr vitalen Querschnitt durch die Stadt und ihre verschiedenen Szenen. Wer uns begleiten will, kann das in der aktuellen Ausgabe 6/2014 von „A&W Architektur & Wohnen“ tun  oder hier auf deren website. Berliner Grüsse sendet ROLF PS: Zuviel Berlin hier im Blog? Das ist noch nichts gegen nächstens Jahr – dann ziehen wir ganz nach Berlin, bzw. genauer: nach Potsdam. Nein,…

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Das Ende der Welt

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GREETINGS FROM NOWHERE Die Po-Ebene? Reisfelder in Laos? Nö, die Elbwiesen gegenüber Dömitz. Ein absurder Ort. Die Brückenbögen führen ins Nichts, Wind pfeift durch den gemauerten Torbogen am Deich. Hier ist Niedersachsen, drüben Mecklenburg, die Elbe war hier das, was die Mauer in Berlin war, die deutsch-deutsche Grenze. 1978 liess die Bundesbahn ihren Elb-Teil abreissen, die DDR 1987die Reste der östlichen Drehbrücke; stehen blieben von den früheren 1000 Metern – es war mal die längste Eisenbahnbrücke Deutschlands – immerhin noch 550, vom Deich bis zur Fahrrinne. Die ideale Filmkulisse  – aber sonst? Ihre wichtigste Funktion hat das langsam vor sich hinrostende Brückenfragment nämlich ausgerechnet mit der Wiedervereinigung verloren. Bis dahin war sie so etwas wie ein sehr bildstarkes Mahnmal der Teilung. Heute teilt sie das Schicksal mit dem nahen Ort Schnackenburg. Als hier die Welt zuende war, kamen wenigstens noch Besucher, um sich das Niemandsland anzuschauen, seit sich die Grenze aber öffnete, ist hier einer der einsamsten Orte…

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