Inspektionsreisen durch die Stilwelt

Größenwahn

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GREETINGS FROM STARBUCKS

Noch ein kleiner Nachtrag zum Thema „unglaublich blöd“. Es geht also weiterhin um Amerika, aber weder um meinen Freund Homer noch um Trump, eher so dazwischen, Tendenz zu Trump. Richtig, wir befinden uns bei Starbucks. Ich möchte jetzt nicht näher drauf eingehen, dass ein amerikanischer (!) Kaffeekocher sich erdreistet, zeitgleich mit einem amerikanischen (!) Pizzabäcker  namens Hut Filialen im Mutterland dieser Köstlichkeiten zu eröffnen, was ihnen hoffentlich alsbald zum Verhängnis wird. Hier und jetzt geht es um Größen. Nicht, das vorsorglich betont, um die Geistesgrösse der betreffenden Marketing – oder Verkaufsabteilung. Die scheint sich im schwer messbaren Mikrobereich zu bewegen. Es geht um die von Kaffee-Einheiten. Die zuständige Abteilung hat sich nämlich ausgedacht, die kleinste Kaffeegrösse „tall“ zu nennen. Kein Tippfehler von mir. Nicht mit „sm“ vorn sondern mit „t“! Also „groß“. Es gibt natürlich noch zwei grössere Einheiten und da wusste man sich mit englisch allein offensichtlich nicht mehr zu helfen. Da haben sie wohl gedacht, es sei schlau, schon mal rein sprachlich an das neue Geschäftsgebiet Italien ranzuschleimen. Also heisst die mittlere Grösse „grande“. Für die, die sich in beiden Fremdspachen nicht so sicher fühlen: „grande“ lässt sich ins englische etwa mit „tall“ übersetzen und heißt demnach: „groß“. Man kann also wählen zwischen groß und groß. Jetzt werden die ganz Schlauen unter unseren Lesern bestimmt fieberhaft alle halwegs geläufigen Kultursprachen durchforsten nach einer weiteren Übersetzung für „groß“. Denkbar wären zum Beispiel das französische „grand“ oder das schwedische „stor“. Brauchen sie nicht. Offensichtlich nehmen sie in den entsprechenden Abteilungen schlimmere Drogen als ihr Koffein. Die grösste Größe heisst bei Starbucks nämlich „venti“. Italienisch für „20“. Dazu fällt mir jetzt gar nichts mehr ein.

Kleinlaut grüsst Jan

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Latest highlights

GF_Film

Wo bitte gehts zum Film?

GREETINGS FROM SET Seit den blurays mit ihren stundenlangen Making-Of-Extras gibt es hinter den Kulissen von Filmdrehs ja nicht mehr viele Geheimnisse: Alle finden sich und gerade diesen aktuellen Film toll und das schwierigste vor der Kamera ist, beim Textaufsagen nicht zu lachen. Ein Rätsel blieb aber unbeantwortet, und ich dachte, es könnte …

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Schotterpiste

  GREETINGS FROM NACHBARGLEIS Schnappschuss aus dem ICE in der Nähe von Göttingen. Die beiden Gleisbau-Arbeiter und ihre zwei schweren Bagger offensichtlich im Vor-Feierabend-Modus, ist ja auch Freitag halb vier. Die beiden stehen übrigen auf dem Gleis, auf dem mein ICE eigentlich sonst rasant Richtung München rast. Heute bummelt er parallel …

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BildGalabau

Wenn Gärtner zuviel lügen

GREETINGS AUS DER STEINZEIT Ist Lügen und Täuschen für Gärtner eigentlich ein Prüfungsfach? Oder arbeiten sie nur cleverer als andere und wissen genauer, was ihre Kunden wirklich wollen? „Garten- und Landschaftsbau“ heißt ja die Branche offiziell, das klingt nach Grün und Natur – und ist für mich aber immer öfter eine …

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greetings to ß

DREI MIT RÜSSEL Lieber Sprachwächter, ich wollte gerade mal wieder ein ausserordentliches Sonderlob in Richtung Cupertino loswerden, weil ich wähnte, die modernen Menschen bei Apple hätten getan, was deutsche Sprachbeauftragte schon längstens hätten tun sollen, spätestens aber im Zuge einer der diversen Rechtschreibreformen hätten tun müssen: das „ß“ eliminieren. Mit der …

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Größenwahn

von

GREETINGS FROM STARBUCKS Noch ein kleiner Nachtrag zum Thema „unglaublich blöd“. Es geht also weiterhin um Amerika, aber weder um meinen Freund Homer noch um Trump, eher so dazwischen, Tendenz zu Trump. Richtig, wir befinden uns bei Starbucks. Ich möchte jetzt nicht näher drauf eingehen, dass ein amerikanischer (!) Kaffeekocher sich erdreistet, zeitgleich mit einem amerikanischen (!) Pizzabäcker  namens Hut Filialen im Mutterland dieser Köstlichkeiten zu eröffnen, was ihnen hoffentlich alsbald zum Verhängnis wird. Hier und jetzt geht es um Größen. Nicht, das vorsorglich betont, um die Geistesgrösse der betreffenden Marketing – oder Verkaufsabteilung. Die scheint sich im schwer messbaren Mikrobereich zu bewegen. Es geht um die von Kaffee-Einheiten. Die zuständige Abteilung hat sich nämlich ausgedacht, die kleinste Kaffeegrösse „tall“ zu nennen. Kein Tippfehler von mir. Nicht mit „sm“ vorn sondern mit „t“! Also „groß“. Es gibt natürlich noch zwei grössere Einheiten und da wusste man sich mit englisch allein offensichtlich nicht mehr zu…

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Wahlkampfhilfe

von
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GREETINGS FROM HOMER Dass man ruhig unsagbar blöd und borniert sein kann und trotzdem gut durchs Leben kommt, beweist seit mehr als einem Vierteljahrhundert das Familienoberhaupt einer ziemlich gelben Familie: Homer Simpson. Dass das auch im richtigen Leben funktioniert, beweist mindestens ebenso lange ein Mann mit ziemlich gelben Haaren. Der hat es nach allerlei zwielichtigen Immobiliengeschäften und Veranstaltungen von Model-Contest-Shows sogar zum Präsidenten eines (noch) nicht unbedeutenden Staates gebracht. Dass aber letzterer bei seinem letzten Coup (der feindlichen Übernahme einer Supermacht) bei ersterem abgekupfert hat, ist doch mehr als schockierend. Nicht, dass er abgekupfert hat. Das war nicht anders zu erwarten. Aber dass ausgerechnet mein Held im wahren Leben, der trotz allem so liebenswerte Homer die Blaupause für den aberwitzigen Wahlerfolg geschaffen hat, ist eine Schande. In der genau 200sten Folge will Homer aus welchen Gründen auch immer Müllbeauftragter von Springfield werden und führt einen Wahlkampf, der so perfide wie dämlich…

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Bier-Skandal

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GREETINGS FROM KIEZ Was für ein Schock neulich an der Tankstelle! Ich kaufe eine Flasche gefüllt mit einer Melange aus Bier und Limonade (natürlich nicht für mich). Mangels Alternativen greife ich zu dem Erzeugnis „Kiezmische“ aus dem Hause Astra. Mal abgesehen davon, dass ich den Verzehr solcher urzeitlichen Alko-Pops ohnehin nicht für förderungswürdig halte, erst recht nicht solchen, die einst der Legende nach zum Strecken des eigentlich begehrten Hopfengetränks „erfunden“ wurden, trifft mich doch beim Anblick des Etiketts fast der Schlag.  Als Erläuterung zu dem kryptischen Getränkenamen wird die Unterzeile „frisches, trübes Radler“ nachgereicht. Das Getränk aus der hamburgischsten aller Hamburger Brauereien verleumdet doch tatsächlich das idyllische Fluss/See-Gemisch namens „Alster“, das nicht nur wesentlich zum beliebten Antlitz der Stadt beiträgt, sondern bekanntermassen im nördlichen Teil der Republik namensgebend für solcherart Getränke ist. Sie nenn es Radler! Welchem Marketing-Fuzzi war denn da nachhaltig trüb im Hirn? Nur weil die Bayern zuerst…

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Ein bisschen Spass muss sein

von
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GREETINGS FROM ESBJERG Grüss Dich, mein lieber Rolf! Zugegeben, ich habe mich bei Dir und unseren Mitlesern schon länger rar gemacht, war viel unterwegs und nicht so schreibfreudig. Gelobe Besserung. Erster Schritt ist eine kleine Anekdote aus meinem/unseren Beruf von einer meiner letzten Reisen. Dir werde ich ja nichts Neues erzählen, wenn ich erwähne, dass wir mit allerlei Überraschungen, Irritationen, Skurillitäten, aber auch gelegentlichen Glücksmomenten zu rechnen haben. Eine dichte Ansammlung solcher Gefühlswallungen erlebte ich letzte Woche auf und in (ja!) einer zugigen und trotz angeblichem Sommer frischen und vernieselten Düne nahe Esbjerg. Für nicht so geographisch Eingeweihte: im relativ südlichen Teil der dänischen Nordseeküste. Was ich gar nicht wusste: Bis hier hin hatte die Deutsche Wehrmacht ihren Atlantik-Wall ausgedehnt mit Befestigungsanlagen noch größer als die bekannten in der Normandie.  An einem dieser Bunker  hat das dänische Star-Architekturbüro BIG ein im weitesten Sinne Heimatkundemuseum errichtet, genauer: in die Düne eingegraben. Kopf des Büros…

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Klassiker aus dem Handgelenk

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GREETINGS ANS VISUELLE Der natürliche Feind eines Autoren ist nicht der Textchef oder Chefredakteur, sondern jeder Vertreter des grafischen Gewerbes. Wenn Textproduzenten oder Redakteure manchmal zynisch oder erschöpft wirken, dann hat das mit seiner Art ein Kreativer dieser Zunft getan, die Texte an Stellen kürzer haben will, an denen es inhaltlich unmöglich ist, während sie umgekehrt in Überschriften Füllwörter verlangt, die jeden sprachlichen Rhytmus zerstören, was aber nur jemand merkt, der liest, und das tun diese Menschen (m/w, egal) nicht, wozu auch, sie sind ja Augenmenschen. So, wie wir Merz-Rhetoriker sagen. Diese Wutrede war nötig, denn nur so kann ich meine Überraschung weitergeben, dass es auch mal andersrum sein kann. Für ein neues Special zum 60jährigen Jubiläum von „Architektur und Wohnen“* habe ich gerade ein paar Texte über 60 Design-Ikonen beigesteuert – und war sprachlos, als ich zum erstenmal das grafische Konzept sah: Statt üblicher Freistellerfotos hat die Illustratorin Karin Kellner die Interieurklassiker in einer Technik skizziert, irgendwo zwischen Spontanpaintig und Kalligrafie. Damit gewinnt sie tausendmal gesehenen Objekten neue Ansichten ab, mal durch…

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