Inspektionsreisen durch die Stilwelt

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Ku’damm

Im Zeittunnel

von
GF_KudammKarree4

GREETINGS AUS DEN 70ERN Geld stinkt nicht? Doch, ein bisschen müffelt es. Dazu das funzelige Licht. Aber ich will nicht klagen, es hat sich ja gelohnt – einmal falsch abgebogen und ein wissenschaftliches Rätsel gelöst: Es GIBT Zeittunnel. Wer vom Berliner Kurfürstendamm Nr. 207 das gleichnamige Karree betritt und mutig immer geradeausgeht, auch dann noch, wenn die Läden leer sind, die Schritte hallen, der ist in Minuten in den 70er Jahren gelandet, allerdings in der hässlichen Version. Für die alten Rasterdeckenleuchten gäbe zwar nicht nur Konstantin Grcic ein bis zwei Finger, dürfte er sie neu entwerfen (wie wir Design-Rating-Agenten sagen), doch ansonsten dominiert die ganze überlagerte Tristesse der Siebziger, in denen man immer riesiger baute und zum Ausgleich Retrogemütlichkeit  zwischen Flohmarkt- und Oma-Ästhetik mochte. Vorbei, auch in den Kneipen „bei Manne“ oder im „Veltinsstübchen“. Nur das Geld hat Geduld, nach endgültiger Entmietung will sich die Riesenimmobilie neu erfinden, nicht mehr als „Karree“ sondern nach dem Vorbild der Münchner „5 Höfe“ in aufgelockerter Flagshipstore-Urbanität. Historische Grüsse von ROLF PS: Wer in Berlin…

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Das Geld kommt zurück

von
GF_Kudamm_Kranzler

  GREETINGS VOM KUDAMM Wo anfangen? An der Gedächtniskirche, die gerade mit zwei flankierenden Skycrapern als Deutschlands Time-Square neu inszeniert wird? Oder noch vorher, wie einige Geschäftsleute wollen und ihre nicht ganz so merkfähige Strasse „Tauentzien“ bis zurück zum KADEWE ebenfalls gerne „Kurfürstendamm“ nennen würden? Politisch abgelehnt. Noch. Obwohl es hinterm Hauptbahnhof doch schon einen Präzedenzfall gibt, in dem hunderte Immobilien, die im Bebauungsplan am öden „Spandauer Schifffahrtskanal“ projektiert wurden, sich jetzt mit „Spree“-Adresse vermarkten dürfen – allein durch die schlichte Umbenennung der Wasserrinne. Der Ku’damm also, immer schon war er Spekulationsadresse, Vorbild war der Pariser Champs d’Elysées und am Anfang stand ein ziemlich cleverer Deal, den Bismarck eingefädelt hatte: Ein Deutsche-Bank-Konsortium finanzierte den Ausbau des Boulevards und bekam dafür die Lizenz zur Gründung der Villenkolonie Grunewald. Der Kurfürstendamm kannte eigentlich nur Hochkonjunktur, bis passierte, womit wohl niemand mehr gerechnet hatte: Mauerfall, Wiedervereinigung – und plötzlich wollte alle Welt -und also auch alles Geld- nach Ost-Berlin, das sich wieder Mitte nennen durfte.…

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