Inspektionsreisen durch die Stilwelt

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Stammtischregeln

von

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GREETINGS FROM BIERGARTEN

Es gibt wohl nichts, vor dem ich soviel Respekt wie vor Stammtischen“. Fast schon Angst. Ich meine jetzt nicht vor dem, was dort so von sich gegeben wird. Obwohl die sprichwörtlichen Parolen durchaus oft beängstigend sind. Ich rede davon, dass ich niemals unter keinen Umständen an einem unbesetzten Stammtisch Platz nehmen würde, geschweige denn mich zu bereits dort sitzenden Personen zu gesellen. Um so bemerkenswerter ist, dass ich neulich mal wieder in München (das häuft sich komischerweise) mal wieder bei strahlendem Sonnenschein (wenn ich selbst dort bin, gönne ich ihn den Münchner ausnahmsweise) mal wieder im Augustiner Biergarten plötzlich an einem solchen sass. Nur, weil die Bedienung mir freie Platzwahl zusicherte („überall, wo Bierdeckel liegen“) und weil das der nächstgelegene sonnenbeschienene Platz war. Da sass ich also und alsbald gesellte sich Heiko zu mir. Heiko stellte sich vor als 77jähriger Münchner, seit über 50 Jahren Dauergast hier („damals haben wir nach der Arbeit vier, fünf Maß getrunken. Jeder.“) und Besitzer eines Stammtisches, ebenhier. An dem er aber gerade nicht sitzen wollen, weil im Schatten, also an diesem Frühlingsmittag zu frisch. Deshalb sässe er an diesem Stammtisch „Zum neuen Hut“.

Erst da wurde mir bewusst, wo ich sitze. Aber keine Gefahr, beruhigte mich Heiko. Und einmal in Gesprächslaune, klärte er den Preissn, also mich mal auf über die Gepflogenheiten am Stammtisch. Zum Beispiel, dass hier im Biergarten jeder seinen eigenen Tisch hat, physisch meine ich, als einen selbst geschreinerten, wie man hier sagt. War mir gar nicht aufgefallen. Aber es gibt einige, wie ich jetzt beim Rumschauen feststelle. Und dass man ruhig als Fremder fragen dürfe, obman sich dazusetzen dürfe, der Stammtischhalter, also Heiko in dem Fall, wisse schon, wer noch kommt und ob Plätze frei bleiben

Nach und nach füllte sich der Tisch mit seinen Bekannten, „der Millionär“ kam noch, so genannt wegen seiner teuren Autos, eine Frohnatur mit einer Art Kaiser-Wilhelm-Bart (obwohl: der war ja Ober-Preiss) und noch ein Pärchen. Das Bier floss, die Sonne schien und neben bei zeigte mir die schnell lustige Trinkrunde, wie man die Temperatur des Getränks vor zuviel Sonneneinstrahlung schützt, nämlich mit aufgestellten Speisekarten. Und meine lobenden Worte für diesen Trick quittierte „der Millionär“ mit der fröhlichen Bemerkung, „wir sehen zwar dämlich aus, aber können ganz schön clever sein“. Und mit einer Einladung an ihren eigentlichen Stammtisch. Im Sommer. Was soll ich sagen? Es reizt mich richtig, das mal auszuprobieren.

Sehr geehrte Grüße von Jan

PS. Bei München und Biergarten darf ja auch das Thema WC nicht fehlen, sozusagen als natürlicher Abschluss des Bierkreislaufs. Auf meine Frage, wo denn das nächstgelegene Herrenklo sei, zeigte die Bedienung auf jenes Schild:

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So kann man es auch nennen. Jan

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