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Quälgeister

von

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GREETINGS FROM HOTEL

Liebe mitwissende Mitbloggger und natürlich, falls mal wieder auf unserer Seite, liebe anderen Mitleser,

Euch erzähle ich sicher nichts Neues, wenn ich behaupte, dass es Fragen des Alltags gibt, die  zwar angeblich gelöst sind, also erklärt, aber trotzdem  rätselhaft bleiben, warum es nicht schon längst eine Lösung im Sinne von Abhilfe gibt. Zum Beispiel den Duschvorhang. Nicht besonders häufig gibt es ihn wohl noch (oder täusche ich mich?), aber wo dieser Lappen Plastik vor der Dusche oder Wanne, angebracht zum Abhalten von Spritzwasser, hängt, verbreitet er mehr Schrecken als er sich nützlich macht. Jeder weiß, wovon ich spreche: Kaum steht man unter der brausenden Brause, wird er aufdringlich. Das Wasser plätschert freidlich über mein Haupt, aber von der Seite bedrängt mich dieser halbfeuchte Lappen. Dagegen lässt sich nichts machen – sagt ein gewisser Daniel Bernoulli. Dieser Schweizer Physiker hatte während des 18. Jahrhunderts offensichtlich nichts besseres zu tun, als Duschvorhänge für ihr unbotmäßiges Verhalten zu entschuldigen. Als es Duschvorhänge noch gar nicht gab. Strömungen, die Unterdruck erzeugen, und ähnlich fadenscheinige Ausreden hat er erfunden.

Ich hatte gerade mal wieder das zweifelhafte Vergnügen, Bekanntschaft mit einem Vertreter dieser anhänglichen Badezimmerausstattung zu machen – im Hotel. Wo sonst. In Hotels, habe ich das Gefühl, sind sie immer noch beliebt. Also werden gern eingesetzt. Aus Gemeinheit. das scheint mir das einzig erklärbare Motiv zu sein. Ok, es ist auch billiger als eine Glaswand. Aber auch eine Unverschämtheit. Die Vorhänge bleiben ja nicht mal am Wannenrand kleben. Nichts zu machen. Klar werden jetzt manche unserer besonders hart gesottenen Leser sagen: Na und? Macht mir nichts. Damit kann ich leben. Aber für solche Gäste (und für mich) haben sich die Hotels bis hinaus zur 4-Sterne-Kategorie, wie das RE Shoreditch in London noch eine Prüfung ausgedacht. Nach erfolgreich überstandener Dusche am Morgen geht es zum Frühstück. Und dort wird es ernst. Ich meine jetzt nicht die Tatsache, dass es nur noch Buffets gibt mit gefühlten 80 Prozent überflüssigem Kram für das man vor dem ersten Bissen schon einige Kilometer zurücklegen muss. Ich meine dieses Geräusch, das einem allerspätestens beim zweiten Brötchen kalt den Rücken runter läuft und hektisch nach den Ursachen suchendes Umherblicken hervorruft. Das kann man sich sparen: es sind diese Geräte, die immer im Einsatz sind, ganz gleich, ob sie jemand nutzen will. Und die deshalb wohl dieses herzzerreissende Quietschen von sich geben – ein Wimmern, ein Jammern, das sie nicht mal einstellen mehr können, wenn sich doch jemand erbarmt und ein Toast zum Rösten einlegt. Das übrigens muss man grundsätzlich immer mindestens zweimal tun. Zur Strafe.

Bereuende Grüße

Jan

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