Inspektionsreisen durch die Stilwelt

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greetings from Wittenberge

von

 

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MEMO AN MICH

Liebe Mitblogger und Mitleser,

es muss dringend noch nachträglich gerühmt werden, was wir während unserer Tour mental nicht mehr leisten konnten – nämlich ein wenig stolz über unsere Leistung zu berichten, lieber Rolf, Deine Idee in die Tat umgesetzt zu haben und mit dem Fahrrad von Hamburg nach Berlin gefahren zu sein. Ein paar Tage (vier) und ein paar lädierte Knie (zwei) später hatten wir tatsächlich die Hauptstadt in Sichtweite. Ein befriedigendes Gefühl.

Und unterwegs eine lehrreiche Tour. Dass Dörfer immer irgendwie verlassen erscheinen, bzw. während der Durchfahrt durchweg menschenleer, ziemlich depressiv hüben wie drüben (sagt man ja eigentlich nicht mehr), Tiefpunkt im ehemaligen Westen: Schnackenburg; die Erkenntnis, dass die DDR wohl DDR bleiben wird, jedenfalls, wenn man Orte wie Rathenow sieht, die mit billigen Brillengläsern für Fielmanns Reichtum gesorgt haben, aber ihre (wohl mageren) Gewinne garantiert nicht in die Verschönerung des Stadtbildes gesteckt haben. Oder eigentlich schöne Orte wie Brandenburg an der Havel, durch die man radelt und denkt: Hier fehlt doch was. In der Tat. In der Innenstadt scheint es keine Geschäfte, Bars, Galerien zu geben,die Häuser haben nicht mal Schaufenster oder die sind zugemauert oder verrammelt. Und Menschen gibt es hier auch fast gar nicht auf den Straßen, außer einem riesigen Ritter und einem Loriot-Knollennasen-Männchen aus Holz, das auf der Bank vor dem Ritter vor dem Rathaus sitzt. In Havelberg nahezu genauso, dort sagte man als Erklärung, die Menschen seien auf den Berg gezogen – zum neuen Einkaufszentrum. Das konnten wir aus Zeitgründen (und zu hoher Steigung) nicht verifizieren. Glauben es aber.

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Auf genau halben Weg zwischen Hamburg und Berlin liegt der Ort Wittenberge (mit e hinten, nicht die Lutherstadt). Bekannt ist sie, na ja bekannt ist vielleicht übertrieben, für ein recht auffälliges Fabrikgebäude, in dem seit 1904 Nähmaschinen der Marke Singer produziert wurden, später in der volkseigenen DDR Nähmaschinen unter dem Namen Veritas. Den Schriftzug sieht man auch noch vom ICE, wenn man in einem derjenigen sitzt, die komischerweise hier halten, obwohl selten jemand ein- oder aussteigen will.

Könnte man aber ruhig mal. Denn nicht weit vom Bahnhof liegt am Elbhafen noch ein ehemaliges Fabrikgelände, auf dem eine riesige Ölmühle in schöner Backsteinarchitektur untergebracht war. Jetzt beherbergen die Mauern ein Vier-Sterne-Hotel, ein Event-Center mit Kletter- und Tauchturm, eine riesige Bühne, auf der auch schon mal das Deutsche Fernsehballett die Wittenberger erfreut und ein Brauhaus.  Brauhäuser scheinen ohnehin der letzte Schrei zu sein und in der Tat ist es ganz angenehm, mal nicht immer die gleichen durch die Werbung galoppierenden Marken schlucken zu müssen.

Also, wenn der ICE mal wieder hier Halt macht, könnte man eigentlich aussteigen, kurz zum Brauhaus maschieren, ein leckeres Bier trinken (mein Tipp: Spezial, Rolfs Tipp: Dunkel) und mit dem nächsten Zug weiterfahren. Ok, ich ahne schon, die Größe der Zielgruppe für diesen Tipp ist ungefähr: 1. Deshalb ja auch der Titel.

Beschwipste Grüße

Jan

 

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