Inspektionsreisen durch die Stilwelt

SZ

Zeitkiller Zeitung

von

 

SZGREETINGS VOM LESESTRESS Sorry, daß ich mich erst jetzt wieder melde; bin eben erst mit der Wochenendlektüre fertiggeworden. Das Bild oben entstand nicht, obwohl es so aussieht, in der Druckereihalle, sondern bei mir im Flur: Die Süddeutsche Zeitung in ihrer neuen erweiterten Samstag-Sonntagssausgabe.Was heisst erweitert? Ich liebe ja die SZ (der Abopreis liegt etwa bei einer schönen Städtereise pro Jahr), aber nach einigen Wochen des neuen Konzepts habe ich den Verdacht, daß man hier, aus vorbeugender Konkurrenzangst, zuviel des Guten versucht.

Leider kann man mit Immer-Mehr eine Zeitung genauso schwächen wie mit dem heute üblichen Immer-Weniger. Wo andere Blätter Büros schliessen, Redakteure in 10er-Paketen rauswerfen und ihre Seiten mit Agentur- und PR-Texten füllen, scheinen sie im Redaktionsturm in München-Trudering auf das umgekehrte Modell zu setzen: Kennt irgendeiner von uns noch irgendwelche Autoren, Themen oder Thesen, die wir diese Woche noch nicht im Blatt hatten? Ist noch was liegengeblieben, was mainstreamiges oder was Sperriges? Irgendwas mit erweitertem Kulturbegriff? Zu füllen sind außer den Wochentagstandards incl. Feuilleton die Sektoren „Buch zwei“, das „Wissen“, die „Gesellschaft“ und schliesslich noch der „Stil“. Hauptsache wir sind zeitiger als die Zeit, sterniger als der Stern, spiegeliger als der bald schon am Samstag erscheinende Spiegel und fasiger als die Sonntagszeitung aus Frankfurt…

Wer soll das bloss alles lesen? Warum soll ich das alles lesen – und vor allem: wann? Umkämpft ist der Premium-Lesetag Sonntag, als entscheide sich hier die finale Medienschlacht print oder nicht mehr print.  Eine makabrer Kampf, der mir da aufgezwungen wird. Ich möchte, bitte, lieber nicht mitkämpfen, lesemäßig. Sonntag ist für mich der einzige Tag, an dem ich bisher noch mal die innere Ruhe für ein Buch fand. Ein echtes Buch, kein „Buch zwei“…

Hochinformiert aber völlig fertig grüsst ROLF

 

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