Inspektionsreisen durch die Stilwelt

Monthly archive

April 2016

Schotterpiste

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  GREETINGS FROM NACHBARGLEIS Schnappschuss aus dem ICE in der Nähe von Göttingen. Die beiden Gleisbau-Arbeiter und ihre zwei schweren Bagger offensichtlich im Vor-Feierabend-Modus, ist ja auch Freitag halb vier. Die beiden stehen übrigen auf dem Gleis, auf dem mein ICE eigentlich sonst rasant Richtung München rast. Heute bummelt er parallel dazu gen Süden. Das Gleisbett der Schnellstrecke zwischen Hannover und Kassel muss ausgebessert werden. Noch eine Stunde längere Fahrt. Flug war keine annehmbare Alternative, die Preise für diese Verbindung schnellten bei Bekanntgabe der Reperaturmassnahmen sofort in die Höhe. Oder ist das selektive Wahrnehmung? Könnte aber auch eine Hilfsmassnahme der Bahn für die Lufthansa sein. Jedenfalls was die zweiwöchige Dauer dieser Massnahme angeht. Irgendwie wird man auch ein paar hundert Meter weiter den Eindruck nicht los, mit ein wenig mehr Manpower könnte das Schotter-Auswechseln auch ein wenig schneller gehen. Aber auch das könnte ich nur rein subjektiv sehen. Trotzdem geduldige Grüsse…

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Perle des Journalismus

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greetings from Streiflicht Liebe Leser, lieber Rolf! Heute mache ich es mir mal einfach: Wenn mir schon selbst nichts Schriftliches zum Amüsement unserer Leser einfällt, berichte ich wenigstens von etwas, das mir aufgefallen ist. Nämlich gestern, am Freitag in der Süddeutschen Zeitung (SZ). Generell immer noch ein Hort des guten, informativen und unterhaltsamen Journalismus, pflegen die Kollegen eine Besonderheit, die in ihren besten Tagen Sternstunden der Schreibkunst hervorgebracht hat und immer noch bringt: „Das Streiflicht“. Es ist weder ein Geheimnis noch eine Schande zuzugeben, das die dort auf eigentümliche Weise zelebrierte Form der Glosse auch die Texte in diesem Blog zart inspiriert hat. Aber die hohe Kunst, mit irgendetwas anzufangen und in einer Pointe zu enden, die von diesem Anfang nahezu unvorhersehbar ist, ist in seinen besten Tagen unerreichbar. Dass ich jetzt von diesem Freitags-Streiflicht berichten kann und nicht mein stets bestinformierte Mit-Blogger Rolf, liegt an seiner/ Deiner Eigenheit, Tageszeitungen…

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Hamburg-Berlin Eins zu Null

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GREETINGS NACH HAMBURG Lieber Stylefreund Jan, erinnerst Du Dich, wie wir bei unserer letzten Greetings-From-Autorenversammlung versucht haben, die Liste der neueren architektonischen Hamburger Highlights zu ordnen? Und wir sehr schnell in eine Art stotterndes Schweigen kamen,  aus dem uns selbst unser Helmut-Schmidt-ähnlich verehrter Lebenskunst- und Bausachverständige Heiner nicht mehr heraushelfen konnte? Oft sieht man ja aber Dinge nicht, weil man zu nahe dran ist. Und ich glaube, eines der unverdient von den Hamburgern übersehenen neueren Bauten ist der ZOB (Zentraler Omnibus Bahnhof) schräg hinterm Hauptbahnhof. Klar, ist eine andere Klientel und eine andere Richtung als die so ärgerlich immer so verstopfte Autobahn nach Sylt. Aber gestalterisch First-Class und für Euch Hamburger unüblich mal weder von GMP noch von Teherani, sondern vom mir bis dahin unbekannten Büro ASW Architekten. Gegen Eure  300 qm-Glasdachsichel auf theatralischen elf Meter (vielleicht etwas zu) hohen Säulen sieht der Berliner ZOB aus wie die Fahrbereitschaft eines östlichen in die Jahre gekommenen Flatrate-Bordells. Im Hamburg-Berlin Vergleich also erstmal ein verdientes und eindeutiges…

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Bildungsburger

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GF_Bauhausburger

GREETINGS VOM GRILL Ach, wie erfrischend. Ganze Juristengenerationen der 30er und der 50er Jahre prozessierten gegeneinander, wer und was sich Bauhaus-Design nennen darf (es lohnte sich, vor allem wegen der Stahlrohrmöbel-Lizenzen). Und jetzt steht hier in der Dessauer Bauhaus-Cafeteria ganz lässig auf der Menütafel:  „Bauhausburger 5.20“. Nichts sonst. Ein schönes Rätsel, mit dem man eine Designklasse eine Woche beschäftigen könnte. Und das mir jetzt die Wartezeit überbrückt: Kommt was einen so großen Namen trägt in Rot-Gelb-Blau? Als Dreieck-Quadrat-Kreis-Turm ? Oder in der frühen Johannes-Ippen-Linie strikt  vegetarisch? Nichts davon:   herübergeschoben wird  nach zehn Minuten eine kräftige Bulette mit Alibi-Rukola-Ranke im kugelhohen barbecuesoßensatten Roggenbrötchen. Sehr lecker, sehr theoriefern. Allenfalls vielleicht auch ein bisschen unpraktisch. Am Ende sieht mein Teller aus wie von Kadinsky getröpfelt. Kunst im Alltag! Passt doch. Lecker Grüsse sendet ROLF PS. Demnächst in unserer Ratgeber-Reihe: Der fieseste Burger der Welt.    

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Bauhaus für alle

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GREETINGS AUS DER MUSTERSIEDLUNG. Zwölf Uhr mittags, vielleicht auch halb eins, kein Mensch auf der Strasse. Nicht mal Japaner, die sonst hier mir ihren Architekturführern entlangtrotten, Stichwort „Bauhaussiedlung Dessau-Törten“. Gropius versuchte hier in den Zwanziger Jahren, erstmals Ideen aus der amerikanischen Ford-Fliessband-Produktion beim Hausbau einzusetzen: vor Ort gegossene Stahlbetonbalken und ein auf Schienen weiterlaufender Baukran schafften so 133 Häuser in 88 Tagen. Eine Hauseinheit  also rechnerisch in weniger als einem Tag. Das war Rekord – aber auch Grund für massive Baumängel. Den Ruf macht bis heute aber ohnehin eher die Gestaltung und die Philosophie aus: weissgeschlämmte Fassaden, Flachdächer,  Splitlevel, stahlgefasste Fensterbänder unter der Decke – man brauchte keine Gardinen, konnte aber im Sitzen nicht den Himmel sehen; zur billigen Hypothek spendierte die Stadt Dessau zusätzlich ein Schwein pro Hauseinheit  für den riesigen Selbstverorgungsgarten. Bestes sozialdemokratisches Allen-Soll-Es-Besser-Gehen und Mit-Uns-Zieht-Die-Neue-Zeit. Allzuviel Zeit aber war beidem nicht vergönnt. Die Nazis hassten die Flachdachmoderne, die DDR-Sozialisten das Individuelle. Und heute? Fasziniert die Anlage noch immer, trotz vieler scheusslicher Umbauten. Eine eigenartige…

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