Inspektionsreisen durch die Stilwelt

Telefonbuch

Geldverdienen von A-Z

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Telefonbuch

GREETINGS ANS ALTPAPIER Liebe junge Leser, wer heute unter 20 Jahre alt ist, kann nicht mehr wissen, daß es in Deutschland dicke gelbe Bücher gegeben hat (nein, nicht vom ADAC, aber so ähnlich), in die musste man hineinschauen, wenn man irgendwen anrufen wollte, egal ob einen Handwerker oder den Pfarrer oder den Balkan-Grill. (Danach steckte man den Finger in eine löchrige Scheibe an einer Kiste, die mit der Wand verbunden war – aber das ist eine andere Geschichte aus dem Museum der verschwundenen Dinge.) Die Leute jedenfalls, die die Erlaubnis hatten, diese dicken gelben Bücher zu drucken, und sie „Telefonbuch“ oder „Gelbe Seiten“ nannten, sind damit über Jahrzehnte schwerreich geworden und wohnen längst auf Mallorca oder in Florida oder noch weiter. Sie nannten sich Verleger, das tun heute noch einige, aber egal ob Verleger damals oder heute: jeder von ihnen wollte und will so sein wie die, die die gelben Bücher machten, denn man sagte über sie, das wäre besser, als Geld zu drucken. So wäre alles wunderschön gewesen, wenn dieses neue Internetz nicht gekommen wäre und alles verändert hätte. Erst wollte niemand mehr die pfundschweren gelben Bücher vom Postschalter nach Hause schleppen, dann bekam man sie, ob man wollte oder nicht, ins Haus gebracht (gern auch doppelt) und dieses Jahr legt die Post sie gleich stapelweise an den Strassenrand, damit sie ein paar Tage später von Altpapiersammlern abgeholt werden. Das bringt einen sensationellen Weltrekord von 99% Recyclingquote, was bei einer Druckauflage von 28 Millionen noch niemand geschafft hat. Wenn das klappt, wird man im nächsten Jahr versuchen, die Telefonbücher gleich bei den Druckereien ins Altpapier zu geben, und dann sind alle wieder zufrieden, jedenfalls die auf Mallorca und in Florida. Nur die einen Verleger beneiden immer noch die anderen Verleger: So eine Idee müsste man nochmal finden!

 

Bewundernde Grüsse sendet ROLF

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