Inspektionsreisen durch die Stilwelt

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Das Kaufhaus des Nordens

von

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GREETINGS AUS HAMBURG Nach vielen Wochen das erste Mal wieder kurz in Hamburg gewesen. Was auffällt: erstmal nix; alles wie immer; viele Touristen, das Übliche: abends in die Musicals, tagsüber shoppen. Allenfalls scheint mir Hamburg mit Abstand, deutlicher  als von innen gesehen, Kopenhagen sehr verwandt. Und die Baustellen fallen klarer ins Auge – die guten wie die schlechten.

Das alte sympathisch kompakte Spiegelhhochhaus an der Ost-West-Strasse ist inzwischen bis auf sein inneres Tragwerk weg. Schade. Dafür sieht der eingerüstete St.Nicolai-Kirchturm jetzt aus, als sei es er kleiner historischer Wolkenkratzer. Der neue Apartmentturm in der Speicherstadt ist verglichen mit der Verkaufsvisualisierung eine Riesenenttäuschung und Zaha Hadids Hafeneinfasung mit den asymmetrischen Treppenstufen kommt pro Monat auch nur 20 Meter weiter, ich fürchte, da werden sich meine Ex G+J-Kollegen eher in Gütersloh oder Norderstedt wiederfinden als nochmal in der Mittagspause auf dem fertigen Elbkantenhochufer. Ein bisschen skurril sieht die Zwischennutzung aus: unten Pritzker-Preis-Architektur, oben hölzerne Wurstbuden für den Hafengeburtstag. Die Elbphilharmonie wirkt dagegen schon so vertraut wie ein Altbau, der schon immer da war. Von den gewaltigen „Stadthöfen“  am Ende des Neuen Walls sind immer noch nur die Bauzäune zu sehen – nicht ungefährlich, ewig wird die Hochkonjunktur auch nicht halten. Sollten alle neuen Passagenprojkte bis hin zum Rathaus tatsächlich fertig werden, ist eigentlich die ganze Hamburger Innenstadt durchlöchert – ein einziges Kaufhaus des Nordens.

Erschrocken war ich an der Ecke Spitaler-Mönckebergstrasse. Dass das markante HEW-(Vattenfall/Nordbank)-Center völlig verschwinden soll (Bild oben, auch hier heisst es auf dem Bauschild frech gelogen: „Umbau“), habe ich nicht mitbekommen. Oder hat es keinen interessiert? Die schwarzglänzende Block mit der geschwungenen Fassade schien mir eines der gelungensten  Objekte der Nachkriegszeit zu sein. 1967 Entworfen von Garten + Kahl, den Architekten der Mundsburgtürme, zeigte es, wie die 70er Jahre mit mehr Augenmass hätten werden können. Wie sagt der Hamburger: Tschüs; unsentimental wie immer. In den Nachfolgebau sollen mehr Schnellrestaurants hinein.

Eilige Grüsse von ROLF

 

 

 

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