Inspektionsreisen durch die Stilwelt

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Walls - page 14

Die vergessenen Jahre

von
JuhnkeChinaentenPlakat

GREETINGS VOM KALTEN KRIEG Melde mich nochmal vom Berliner Breitscheidplatz (den eigentlich keiner so nennt) zwischen Gedächtniskirche und Europacenter: hier war seit den 60ern das Zentralschaufenster Westberlins. Kein Tourist der hier nicht vorbeikam, hier fuhren die Linienbusse zum Tempelhofer Flughafen und hier stand lange, auch noch als die Mauer schon wieder  offen war und alle nach Mitte wollten, ein sehr skurriler Werbeschaukasten. Ein ziemlich fertig aussehender Harald Juhnke versucht, mit Stäbchen irgendwie eine Ente zu essen und so Gäste in ein Chinarestaurant im Bikini-Haus hereinzuwerben. Das gehörte dem Vater seiner halbchinesichen Frau, die er dort kennengelernt hatte. Alles vorbei, echter oder halbechter Glanz von gestern – ähnlich wie das gegenüberliegender Europacenter, mit Billigläden und Kartoffelrestaurants heute der provinziellste Ort der Welt. Warum ich jetzt davon erzähle? Weil in allem Ganz-Berlin-Wird-Metropole Hype sich jetzt die alten bürgerlichen Nachkriegs-Westsektoren darauf besinnen, daß sie ja auch mal ein ganz eigenes Lebensgefühl hatten, irgendwo zwischen subventioniertem…

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Der Westen leuchtet wieder

von
BikiniWestberlin

GREETINGS IN BIKINI-STIMMUNG So ab fünf gibt es im Moment keinen cooleren Platz in Berlin als die Bar-Terrasse des neuen Bikini-Hotels an der Gedächtnis–Kirche. Im zehnten Stock sitzt man hier draussen in der ersten Frühlingswärme, geniesst sein Getränk – noch mehr aber das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und dem Comeback des früheren Westberlin-Zentrums ganz entspannt von oben zuschauen zu können. Zwar halten am Bahnhof Zoo keine Fernzüge mehr (und die Westberliner scheinen darüber immer noch gekränkter zu sein als nach DDR-Blockade & Luftbrücke), aber für Autofahrer und Flaneure fühlt sich das Dreiecks-Quartier Ku’damm-Gedächtniskirche-Zoo wieder an, als wärs die deutsche Version des Times Square (und der Potsdamer-Platz nur das, was er ist: ein hässlicher Alptraum). Eindeutig hat hier Immobilienspekulationsgeld mal was positives erreicht. Natürlich hängt dieser Wiederaufstieg  mit dem Nun-Nicht-Mehr-Ganz-So-Neu-Sein von Berlin-Mitte zusammen, aber nicht nur. Zwei glückliche Bauprojekte sind es, die dem Breitscheid-Platz seine frühere Grandezza zurückgeben:…

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Das unmögliche Haus

von
BerlinMauerNeubau

GREETINGS VOM MAUERBAU Wer in Berlin nochmal ein echtes Stück Mauer sehen will, findet nicht mehr viel; zu gross war 1989 die Mauerspecht-Sofort-Abbruch-Euphorie. Durchaus verständlich: revolutionärer-touristischer Überschwang. Überhaupt nicht verstehbar ist das Apartmenthaus „Living Levels„. Es wächst gerade in den Himmel. Melancholische Filmemacher könnten sich das Szenario nicht geschmackloser ausdenken. Der Luxuswohnturm wird nicht nur im sogenannten Todesstreifen stehen (das tun inzwischen viele Berliner Neubauten, am allerschnellsten hatten sich ja die Bundesländer ihre „Ministergärten“ am Potsdamer-Platz gegriffen). Das unglaubliche an dem privaten Wohnturm ist, dass er das unter Denkmalschutz stehende letzte lange Mauerstück, die East-Side Gallery zerstört. Es wird das bisher einzige Haus sein, daß VOR dieser Mauer stehen darf -und es wird sie durch seine Höhe zum Vorgarten-Mäuerchen degradieren. Es gab in Berlin ziemliche Proteste, weil für Baufahrzeuge ein Mauerstück herausgenommen wurde (Bild oben, vor dem „Sale“ Schild). Nicht schön. Aber viel schlimmer ist es, daß es das Haus überhaupt…

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Der Kampf ums offene Schloss

von
Schlossbaustelle

GREETINGS VOM BERLINER SCHLOSS-KRIMI Architektonische Problemzonen hat Berlin eine Menge. Eine lange umstrittenene war der Neubau des Stadtschlosses, der inzwischen aber gut vorankommt. Viel zu gut, denn hier scheint die gute Nachricht mal eine schlechte zu sein. Es geht wie immer um Prinzipien – aber auch um Tage, vielleicht sogar Stunden. Wer gerade am Berliner Dom vorbeikommt und dann zwischen der zweiten Grossbaustelle (der U-Bahn) hindurch den Weg findet,  kann Zeuge eines kleines Krimis, eines Wettlaufs zweier Architekten werden. Es geht um die Reihe der Betonkuben (im Bild oben zwischen dem vorderen Sandhaufen und dem gelbem Kran), sie ist nämlich die Basis des neuen Ostflügels. Und um den gibt es einen neuen Streit im alten Streit, eine wiedererstarkte Diskussion in der durch Baubeschluss des Bundestages eigentlich abgeschlossenen Diskussion. Als gewollten Kontrast zum (1950 von der DDR gesprengten) Altbau ist er hypersachlich und scharfkantig geplant (wie hier unten im Modell-Bild) Der Münchner Architekt…

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Wo Bürgermeister weinen

von
MusicalHafenHamburg

GREETINGS VOM HAFEN Viele Nicht-Hamburger kennen von Hamburg vor allem dieses ganz besondere maritime Stück, die Fährschifffahrt zwischen den Landungsbrücken ‚rüber zum anderen Elbufer, wo die Musicals warten (die letzten Jahre vor allem der „König der Löwen“). Die Stadt verdankt diesem Musical-Tourismus sehr viel – Kaufkraft, aber wichtiger noch die Belebung der City. Eine Erfolgsgeschichte also, die es wert war, dafür die vom Hafenbetrieb freigewordene Fläche freizugeben. Um so trauriger ist, was jetzt nach diesem Erfolg kommt: ein zweites Musicaltheater daneben, das in seiner schlichten Hässlichkeit schon jetzt den ersten Platz auf der „Liste der lieblosen-Architektur-Neuigkeiten 2014“ verdient hat. War das erste Musicaltheater formal noch einem Zirkuszelt verwandt, haben hier Bauherr (Stage-Entertainment) und Architekt (AMA Group Arn Meijs Architekten ) den billigsten und auch gedankenärmsten Weg gewählt. Es scheint konsequent nach innen optimiert – was für ein Theater in Ordnung ist – , aber die Ignoranz, mit der dann lediglich eine riesige Stahlschüssel…

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