Inspektionsreisen durch die Stilwelt

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Words - page 6

Ausverkauf

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GREETINGS FROM MÜNCHEN Vor Kurzem streife ich nach vielen, vielen Jahren mal wieder durch die Münchner Innenstadt: Viktualienmarkt, Marienplatz, Sendlinger Strasse. Nach aussen scheint alles beim alten zu sein. Aber schaut man genauer hin, hat sich doch einiges verändert. Zum Beispiel: Die Mode erobert die alten Gemäuer. In einer unscheinbaren Seitenstrasse neben der Fußgängerzone hat sich der angesagteste Sportschuhladen, ich schreibe mal besser Sneakershop, in einem alten Gewölbe eingerichtet, allein der Eingang ist ziemlich spektakulär. Die  „Solebox“ sieht nach mehr aus, eher nach einer Mischung aus angesagter Event-Location und Hipster-Club. Aber sie verkaufen dort wirklich nur ein paar Schuhe. Um die Ecke, in der Sendlinger Straße gibt es noch so eine Übernahme durch ein Modelabel. Dort hat sich die merkwürdigerweise so angesagte Marke „Abercrombie & Fitch“, in einem ganz besonderen Gebäude breit gemacht, was mich dann doch ein wenig sentimental stimmt. Münchenkenner und Medienschaffende meines Alters haben es auf dem Eingangsbild bestimmt…

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Die Welt ist bunt

von
GF_London1

GREETINGS VON EINEM ANDEREN STERN Muss jetzt die Geographie umgeschrieben werden? Glaubt man dem Titelbild des jüngsten Stern, liegt London mit seiner Türkis-Themse in der Karibik und die güldenen Uferbauten sind Fakes aus einem Disneyresort. Ob sich Printmagazine mit diesem Falschfarben-Optimismus einen Gefallen tun – der Pionier darin war in den 90er Jahren der Feinschmecker, der keine Lust mehr auf 1:1-Fleisch-& Sossen-Farben hatte -, bezweifle ich. Aber das ist nicht der Anlass unserer heutigen Stil- und Heftkritik, sondern eine Lücke, genauer eine Gedankenlücke. Auf zwölf Seiten der Stern-Titelstory wird das lässig-internationale Lebensgefühl Londons beschrieben, man hat sofort Lust, hinzufliegen. Was aber nicht mit einer Zeile gestreift wird, ist die aktuelle 2016er-Herausforderung der Themsestadt, sich plötzlich mit all seiner Geld- und Kultur-Metropolenhaftigkeit nach dem Juni-Referendum, wenns blöd läuft, außerhalb Europas wiederzufinden. Schonmal gehört, Stern? Ich schätze mal, der ganze Beitrag lag ein Jahr in der internen Redaktions-Warteschleife. Was man vom nächsten Thema, gleiche Ausgabe 50 Seiten später, nicht sagen kann:…

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Sechs Anfänge und ein Schluss

von
GF_Nannen3

GREETINGS VON FALSCHEN ANFÄNGEN Nein, Greetings From hat nicht den Egon Erwin Kisch-, Stern-, Henri Nannen-, Nannen-Preis bekommen, eher dieser für sein neues Logo –  eine Mischung aus Nespresso- und Uniqlo-Signet – unsere tadelnde Erwähnung des sinnfreiesten grafischen Neuauftritts 2016 (Jurybegründung: N N N N). Mit einem Erdbeben beginnen und dann langsam steigern – das war Henri Nannens Rat für einen guten Story-Anfang, den er sich aber, wie alle leidenschaftlichen Journalisten, von ganz woanders, nämlich aus einem zynischen Hollywood-Spruch, ausgeliehen hatte. Anfänge also, ein Lebensthema von mir, weil ich mindestens zehn meiner Redakteurs- und Reporterjahre mit meiner Dummheit vergeudet, nämlich meine Texte gegen den Rat erfahrener Kollegen so zu schreiben versucht habe, wie man sie lesen sollte. Also mit dem ersten Satz zu beginnen. Was lange zur Folge hatte, dass ich am späten Abend vor dem Abgabetermin gerne zwanzig bis dreissig verschiedene Anfangsvarianten, aber noch keine weitere Zeile geschrieben hatte. Viel zu langes Intro…

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Rolfs Gesetz

von
GF_Nobelpreis

GREETINGS FROM LEBENSKUNST Heute ist ein grosser Tag. Genauer: ein kleiner für mich, aber ein grosser für die Menschheit. Denn ich veröffentliche hier erstmals die immer stabiler werdende Hypothese meiner jahrelangen Forschungen: Es kommt nicht nur immer anders als man denkt, es kommt meist sogar genau das Gegenteil von dem, was man erwartet. Lesen Sie das gerne zweimal (kaum einer versteht das sofort, ähnlich wie bei Einstein), aber man wird dies später mal „Rolfs Gesetz“ nennen, nachdem ich dafür den Nobelpreis in der Katogerie „Stilvoll Glücklich Werden“ bekommen habe. Eigentlich kennt es jeder, aber es war eben ich, der die Gesetzmäßigkeit in jahrelangen Feldforschungen und Selbstversuchen herausarbeiten konnte: Wenn man sich zum Beispiel auf einen Abend sehr freut, wenn man glaubt, man hat die bestmöglichen sympathischen Leute eingeladen oder ist selbst aus schönem Anlass zu Gast im Lieblingsrestaurant – wie oft wird’s dann gerade mal ein Na-Ja-Geht-So-Event, meilenweit hinter den schönen Vorstellungen zurückgeblieben. Das Interessante ist…

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Pessimismus pur

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GREETINGS AUS SOLINGEN Östlich von Köln, dort, wo das sogenannte „Bergische Land“ beginnt, befindet sich ein Städtchen namens Solingen. Ich hätte gern geschrieben „das schöne Städtchen“, aber das wäre auch mit beiden Augen zugedrückt, zu entfernt von der sichtbaren Realität gewesen. Auch von hier könnte ich wieder eine ulkige Bahnhofs-Anekdote berichten. Die Solinger haben sich nämlich die nette Idee ausgedacht, den Hauptbahnhof, den man zugegebenermassen auch nach näherem Hinsehen nicht als einen solchen identifizieren würde, in einen von der Innenstadt weit entfernten Vorort zu verlegen. Ich würde mal sagen, den weitest entfernten. Also irgendwo im Nirwana. Insofern haben sie sich wiederum an Berlin orientiert, die das mit ihrem ja auch zielstrebig getan haben. Nicht in einen Vorort, aber ins Nirwana. Jedenfalls bei seiner Eröffnung. Den meisten Menschen, obwohl nie dort gewesen, ist das hier behandelte Städtchen im Bergischen Land trotzdem wohl bekannt – als die Messer- und Scherenstadt der Republik.…

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