Inspektionsreisen durch die Stilwelt

Antwerpen

Gut nachgedacht

von

Antwerpen

GREETINGS FROM ANTWERPEN Wenn ich Architekten-Lieblingsvokabeln höre wie „Stadtraum neu interpretiert“ „Massstabssprung“ oder „Überschreibung“ bin ich immer skeptisch, meist heisst das: wieder ein Ort, den man vergessen kann, versaut durch Egoismus und Größenwahn. Bei einem Zwischenstopp in Antwerpen stieß ich jetzt aber zufällig auf einen Marktplatz, wo ich dachte: Wow, hier stimmen die großen Worte mal, weil hier Gigantomie vermieden wurde. Anlass war, daß ein leider nicht allzu attraktives Theater zusätzliche Notausgänge bauen musste – und wie man das gelöst hat, das finde ich recht clever. Einerseits die Treppen theatralisch und kühn freitragend herausgeführt, darüber dann aber ein ganz leichtes Kunststoffdach auf schlanken Stelen, das zugleich dem Marktplatz ein Stück Hallenfeeling gibt: Öffentlicher Raum besser gemacht und nicht schlechter. Angefangen mit der Idee Wir-Überdachen-Plätze hat, glaube ich, Thomas Herzog zur Expo2000 in Hannover gefolgt dann von Jürgen Maier H. in Sevilla. So was kann auch schiefgehen. Spektakulär beim Kasseler Wilhelmshöhe-Bahnhofsplatz, wo das Dach so hoch ist, dass es von der Seite reinregnet und – wozu nachdenken? – auch nochmal beim Omnibusbahnhof in Hamburg. Wir lernen: man kann Plätze überdachen, aber wo keine Randbebauung ist, macht ein Dach alleine noch keinen Platz. Dann lieber so wie in Belgien. Deutsche Bürgermeister, hier schon mal die Daten für den Dienstreiseantrag: Antwerpen, Stadsschouwburg, Meistraat.

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