Inspektionsreisen durch die Stilwelt

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Den Wald vor lauter Bäumen

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GREETINGS TO DAVID CHIPPERFIELD

Bis zum Ende des Jahres kann man noch die Neue Nationalgalerie in Berlin besuchen, dieses wunderbare Bauwerk der Moderne, das der große Ludwig „less is more“ Mies van der Rohe der Hauptstadt hinterlassen hat. Danach schließt sie für ein paar Jahre zwecks Renovierung. Die übernimmt David Chipperfield, britischer Architekt mit Sitz auch in Berlin, der schon mit der gefühlvollen Instandsetzung des Neuen Museum ebendort sein Händchen für historische Substanz bewiesen hat. Bis zur Schließung ist noch in der charismatischen Halle über Straßenniveau (der Großteil des Museums ist bekanntlich unterirdisch (gelegen)) eine Installation des Restaurierungs-Architekten zu sehen. 143 entrindete Baumstämme nehmen das quadratische Grundraster der Halle auf und stehen da jetzt eindrucksvoll rum. Das sieht ganz imposant aus und ist gut für viele „Ahs“ und „Ohs“. Dagegen ist nicht viel zu sagen. Nimmt man aber das Begleitheftchen zur Hand, wird es einigermaßen abenteuerlich. Das beginnt schon mit dem Titel der Installation. „Sticks and Stones“ heißt die. Na ja, die Baumstämme sollen die Sticks sein, haha, die Stones hingegen gibt es gar nicht, es sei denn, gemeint sind die stützenden Platten für die Stämme. Der Titel bezieht sich aber eigentlich auch nur auf einen englischen Kinderreim, der natürlich nichts mit dem Ort und leider auch wenig mit der Installation zu tun hat. Klingt aber lässig, irgendwie. Dann ergeht sich das Heftchen aber auch noch in Eigeninterpretation des gewaltigen Werkes. In diesem Zusammenhang spricht es von „zwei Grundelementen der Neuen Nationalgalerie“, auf die sich das Werk bezieht. Hier sein eine kleine Denkpause gestattet. Was verbindet man gemeinhin noch gleich mit der Neuen Nationalgalerie. Bezüglich Material und Konstruktion? Wer sie nicht so genau vor Augen hat, darf ausnahmsweise das Foto unten zur Hilfe nehmen. Richtig: viel Glas und eine weitgehend freitragende Decke. Und was nicht? Sticks and Stones. Mit der Restaurierung wird das aber bestimmt besser klappen.

Hofft Jan

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