Inspektionsreisen durch die Stilwelt

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Der Zahn der Zeit

von

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GREETINGS FROM KALTEN KRIEG

Es begab sich zu einer Zeit, da waren sich der Amerikaner und der Russe nicht so wohlgesonnen. Jetzt auch nicht so sehr, aber damals noch weniger. Ihre prinzipielle Abneigung drohten sie auf deutschem Boden austragen zu wollen, schließlich gehörte ja seit dem gemeinsam gewonnen Krieg in gewissem Sinne jedem ein Teil davon. Der Russe lauerte im Osten. Der Ami lauschte im Westen. Für seinen diabolischen Plan, die Gespräche der Ostfeinde bis hin nach Moskau abzuhören, hatte sich der amerikanische Geheimdienst passenderweise den Berliner Teufelsberg ausgesucht, eine gut hundert Meter hohe Erhebung im Grunewald, entstanden kurz nach dem Krieg aus Schuttresten. Zwischenzeitlich hätte es dieser Hügel sogar fast zu alpinen Skisportehren gebracht. Man glaubt es kaum. Die Abhörstory des umtriebigen CIA auch eigentlich nicht. Bis zu 2000 Agenten haben unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen seit 1957 von diesem Berg aus den Osten belauscht, bis sie in den späten 80ern mit Hilfe eines türkischen Automechanikers von der Stasi-Spionageabwehr unterwandert und selbst ausspioniert wurden. Filmreif. Zum Glück für die West-Agenten hatte es sich kurze Zeit später mit der DDR und der russischen Präsenz erledigt, weshalb dieser Geheimdienst-GAU keine allzu weitreichenden Folgen hatte. Für die gigantische Abhörstation gab es keine Verwendung mehr. Der Komplex verfiel, dessen markante, mittlerweile etwas ausgefranste Tarnkugeln für Satellitenschüsseln ragen aber immer noch weithin sichtbar über den Wipfeln des Grunewaldes empor. Heutzutage ist es eine beeindruckende Ruine und ziemlich originelle Sehenswürdigkeit, auch weil es eine Spielwiese für Streetart-Künstler geworden ist. Einer von ihnen, der gebürtige Texaner Nick Flatt, hat hier überdimensionale Werke wie die wandfüllende Arbeit „Fuck…anything“ in einer atemberaubenden Mischung aus Grafitti-Schrift und Foto-Realismus hinterlassen, die viel eher in eine angesagte Galerie gehören, als in eine gottverlassene Abhörstation.

Aber auf mich hört ja keiner. Oder? Fragt sich Jan

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