Inspektionsreisen durch die Stilwelt

QuattroPatrone

One world, one design?

von

QuattroPatrone

GREETINGS VON DER BÖRSE Heute mal schnelle Ad-Hoc-Zeilen aus dem Analysten-Raum der Möbelbranche, aus aktuellem Anlass: Der amerikanische Büroweltmarktführer Haworth hat gerade mehrheitlich „Poltrona-Frau“ übernommen. Das ist im relativ kleinen Ambiente-und Interior-Business eine Breaking News, kommen doch damit einige der wichtigsten italienischen Wohn-Design-Labels (u.a. Cassina, Cappellini) in nochmal grössere Hände. Controlled in USA, Designed in Milano – eine gute Nachricht? Dazu nochmal ein kurzer, nicht nur nostalgischer Rückblick, ausgelöst durch das Foto oben, gesehen im Italien-Special des aktuellen „A&W/Architektur&Wohnen“-Magazins. Da stehen vier alte Männer so eng zusammen, wie es näher nicht geht, mit fast arroganter Gelassenheit, obwohl oder vielleicht auch weil sie grosse Kreativ-Konkurrenten sind (nämlich die Designer-Stars Castiglioni, Magistretti, Zanuso und Sottsass – Quattro Patrone sozusagen). Sowas gab’s nur in Mailand mit seinem Mikroksomos aus kurzen Wegen zwischen Architekturbüros, Hochschul- und Kulturszene und Eigentümer-geführten Firmen mit Handwerks-KnowHow im eigenen Haus. Genau dies’ hat Italien zum Stil-Exportweltmeister werden lassen und es ist das, was sich jetzt Haworth gekauft zu haben hofft (die letzten amerikanischen Möbel, die die Welt bewegten, sind die von Eames aus den 50er Jahren). Zwar lassen sich heute Entwürfe in Millisekunden über Kontinente übermitteln, aber der Beweis, daß dies kreativ-fördernd funktioniert, fehlt noch. Adieu, Trendsetter Cappellini & Cassina? Think Positive: Vielleicht klappts ja mit irgendwelchen Synergien, vielleicht hat ja die Firmenverflechtung auch ambitioniertere Ziele hat als nur dank der mitgekauften Le Corbusier-Rechte ein paar mehr Chefbüros liefern zu können. Und wenigstens ein Vorbild gibt es ja: die Modebranche, hier funktioniert Konzern-Zentral-Business und Hyper-Kreativität – auf Weltniveau. Hauptsache wir müssen in Zukunft nicht nach Chicago zur Möbel-Neuheitenmesse. Dort sieht man nämlich nur Raumteiler, Endless-Workplaces und ab zu mal einen Lobby-Sessel – ziemlich gruselig. Da würde heute sogar Don Draper, der smarte Kreativstar aus „Mad Men“, verrückt werden.

Hoffnungsvolle Grüsse sendet ROLF

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