Inspektionsreisen durch die Stilwelt

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Zum blinden Zebra

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GREETINGS VON DER KUNSTFÖRDERUNG

Außerhalb Hannovers bin ich ja mittlerweile dafür bekannt, dass ich wohl der einzige ausserhalb Hannovers bin, der lobende Worte für dieses chronisch unterbewertete Landeshauptstädtchen findet. Vor allem hier bei greetingsfrom.de, also will ich also meinem Ruf gerecht werden. Neulich war ich mal wieder an einem leidlich sonnigen Samstag dort, schlenderte durch die belebte Innenstadt und stellte fest, wie gelungen die Dimensionen dort sind, sprich die leicht überbrückbaren Entfernungen. Hier lässt sich ein Einkaufsbummel mit einem kleinen Mittags-Weißwein in der Markthalle und höherer Kultur verbinden. Wobei man sogar direkt vom Weißwein im Radius von zehn Gehminuten zwischen dem sehr renommierten Sprengel-Museum mit neuem spektakulären (und deshalb von den Einheimischen erstmal skeptisch aufgenommenen) pechschwarzen Anbau und der Kestner Gesellschaft wählen kann, die in die Räumlichkeiten eines ehemaligen Jugendstilbades direkt neben dem berühmten Anzeiger Hochhaus eingezogen ist. Ich wählte Letzteres. Die Ausstellungsräume sind wirklich sehr sehenswert, die aktuelle Ausstellung (mit dem blinden Zebra, s.o.) – ja, warum nicht. Was mich aber besonders begeistert hat, war der Text auf der Eintrittskarte. Die Kestner Gesellschaft in Hannover ist ein besonderer Kunstverein, vor hundert Jahren gegründet und finanziert von allem, was in Hannover Rang und Namen hatte: Senator Fritz Beindorff, dem Besitzer der Pelikan-Werke (Füllfederhalter, Tinte), der schon mit anderem Museum erwähnte Herr Sprengel (Schokolade), Hermann Bahlsen (Keks-Fabrikant und wohl Erstbenutzer des eingedeutschten Begriffs „Keks“ von „cakes“) und so weiter zeigten sich als äusserst großzügige Förderer der Kunst. Die Kestner Gesellschaft hat es in den hundert Jahren mit großartigen Ausstellungen zu beträchtlichen Ansehen auch weit über die Grenzen der Stadt gebracht. Geblieben scheint ihr die Großzügigkeit ihrer Gründungs-Mitglieder. Auf der Eintrittskarte, die mir Ende Juni ausgehändigt wurde, stand nämlich ausdrücklich, ich hielt es erst ungläubig für einen Scherz und/oder moderne Kunst: „Die Karte ist gültig bis zum Ausstellungende am 21.August und ermöglicht zum wiederholten Eintritt.“ So was gibt’s doch gar nicht. Nur in Hannover. Aber es wurde noch einer draufgesetzt. Weiter im Text: ”Sie ist auf andere Personen übertragbar.“ So bringt man Leute ins Museum. (Auch wenn an dem Samstag doch alle shoppen waren.)

Begeisterte Grüße von Jan

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