Inspektionsreisen durch die Stilwelt

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greetings from Hildesheim

von

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WER BAUT DENN DA?

Das kleine Städtchen Hildesheim südlich von Hannover schafft es seit Jahrzehnten nur durch exzessive Eingemeindungen bis an den Harzrand, nicht unter die Marke von 100.000 Einwohnern zu rutschen, wozu ich auch mal ein paar Jahre lang aktiv beigetragen habe. Deshalb darf es sich stolz Großstadt nennen und tut das auch, obwohl es dieses mühsam erworbene Etikett eigentlich gar nicht nötig hat. Denn es ist im Besitz eines sehr sehenswerten Doms mit angeblichem 1000jährigem Rosenstock und der noch bezaubernderen St. Michaelis-Kirche, einem der wohl proportioniertesten romanischen Bauten. Beides gemeinsam steht auf der Liste des Unesco-Weltkulturerbes. Zu Recht. Und beides wird gepflegt von der Stadt. Auf dass viele Besucher das kleine Großstädtchen beehren und seinen Ruhm in die Welt hinaus tragen. Prima.

Allerdings kann man nur hoffen, dass die mit einer Art Tunnelblick die Stadt auf dem Weg zu den Sehenswürdigkeiten durchqueren, denn bis dahin hagelt es ziemliche Unsehenswürdigkeiten. Vor allem für Besucher, die mit der Deutschen Bahn anreisen, muss die Ankunft wie ein gehöriger Tritt in den Hintern vorkommen. Das uninspirierte Bahnhöfchen an sich – geschenkt. Aber der Vorplatz nimmt unter den zahlreichen mutwillig misslungenen Bahnhofsvorplätzen Deutschlands (von Rückseiten ganz zu schweigen) eine Position in der Spitzengruppe ein. Was ist denn bloß in die Stadtväter und -mütter gefahren? Es kann doch nicht so schwer sein, ein kleines nettes Willkommen zu bauen, so dass man sich nicht reflexartig umdrehen und den nächsten Zug nach Irgendwo nehmen will. Aber hier: Eine Ödnis umrahmt von armseliger Nachkriegsarchitektur und inhaltlicher Leere. Ein Ort der tiefsten Tristesse und Depression. Und die nächsten Straßen bringen keine Besserung. Einziger Trost: Weit hat man‘s nicht zum Weltkulturerbe. Ist eben ein sehr kleines Großstädtchen.

Dort angekommen wieder versöhnt grüßt Jan

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