Inspektionsreisen durch die Stilwelt

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Tastes - page 3

Cappucci-NO!

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GREETINGS VON DER HAMBURGER GASTRONOMIE Lieber Rolf, wie besonders feinfühlige unter unseren Lesern eventuell hier und da einmal zwischen den Zeilen herausgehört haben können, bin ich nicht der allergrößte Fan, dessen, was man grob unter dem Sammelbegriff „Hamburger Gastronomie“ zusammenfassen kann. Obwohl der Begriff schon an Moselpackung grenzt, könnte er doch suggerieren, diesem Gewerbe ginge es in irgendeiner Weise um Gäste. Leider eher nicht, höchstens beim Bezahlen, da dann aber gern umso mehr, wie Du ja weisst. Die verschiedenen Klippen in den diversen Einrichtungen habe ich Dir ja schon des öfteren live veranschaulichen können, etwa, welche Überforderung es bedeutet, wenn drei verschiedene Kunden (das Wort Gäste wäre hier fehl am Platz) drei verschiedene Getränke bestellen oder wenn sich mehr als fünf, sechs Menschen auf einmal entschliessen, ihren Durst in ein und derselben Einrichtung löschen zu wollen. Oder ganz fatal, wenn man bei einer Bedienung bestellt, die sich gerade auf dem Weg in den Biergarten…

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Erfindergeist

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GREETINGS AUS DEM KANU Mein lieber Rolf, es ist mal wieder einer der nicht so übertrieben zahlreich gesäten Tage, an denen die Sonne die Hansestadt mit stundenlangen Erscheinen und somit Scheinen beglückt. Auch noch Wochenende. Das heisst, dass es eng werden kann auf Hamburgs Gewässern. Hamburg ist nämlich an den Sonnenscheintagen ein Kanu-Paradies (darf ich das in unserem epischen battle HH vs. BER als Punkt verbuchen?). Tatsächlich ist es eine schöne Art, die Stadt neu zu erleben, denn selbst bekannte Strecken sehen aus der Kanalperspektive wie Neuentdeckungen aus. Es gibt sogar von Zeit zu Zeit Anlegestellen für solche wochenendlichen Hobby-Nautiker (dafür beantrage ich jetzt keinen Punkt, obwohl das aus hanseatische Sicht schon mehr als der Gipfel der Gastlichkeit ist). Gerade eben bin ich aus meiner alsternah aufgespannten Hängematte von lautem Krakelen wasserseits aufgeschreckt worden. Eine Ausflugsgruppe in drei Kanus versuchte sich leidlich ungeschickt an einem Wendemanöver (was mich an bisschen an…

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Fieser Fusel

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GREETINGS FROM HARRY Auf Partys, die eher Massenveranstaltungen sind, also zum Beispiel die Eröffnungsfeier der Biennale der Architektur in Venedig, wird gern ein sogenanntes „Flying Buffet“ gereicht. Der Begriff ist der Gipfel einer Mogelpackung. Es wird nämlich erst gar nichts gereicht und man versucht sich, mit dem einen oder anderen Prosecco über Wasser zu halten (sorry für das schiefe Bild), dann kommen hin und wieder Kleinst-Häppchen vorbeigehuscht, die quasi nicht essbar sind (nicht unbedingt wegen mangender Qualität, nicht unbedingt jedenfalls) sondern weil das Fingerhut-Süppchen ohne Löffel, das Salätchen ohne Gabel, etc. gereicht wird. An der Qualität wird mittlerweile auch gespart, getreu dem Motto: “ Hunger ist der beste Koch.“ Also entschliesst sich eine Kleingruppe von Journalisten aus aller Welt, gemeinsam eine Trattoria aufzusuchen, zwecks Einnahme einer ordentlichen Pasta. In diesem Fall habe ich mich der Gruppe angeschlossen, aber bei der Entscheidungsfindung nicht mitgewirkt. Die Wahl fiel auf „Harry’s Bar“, Erfinder des…

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Kennen Sie Ed?

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GREETINGS FROM STARBUCKS Ja, jetzt sehe ich Dich zusammenzucken, mein lieber Rolf. Ausgerechnet ich schicke Grüsse von diesem unterklassigen Kaffeepanscher, der weltweit vielleicht gerade mal mittelmässige Erzeugnisse zu absurd überteuerten Preisen veräussert und seine immensen Gewinne selbstverständlich weitgehend unversteuert einstreicht, was irgendwie gar nicht zu dem Namen passt, oder irgendwie doch, denn der ist ja nicht ganz legal erworben, genauer gesagt geklaut. Aus Moby Dick. Passenderweise war Starbuck der Name eines Crew-Mitliedes auf dem Walfängerschiff von Captain Ahab. Und Starbuck war, so schliesst sich der Kreis fast – der Steuermann. Aber darauf wollte ich jetzt eigentlich gar nicht hinaus. Neulich in der gewohnt laut klappernden und rumpelnden Londoner U-Bahn, präzise in der roten Central line, eastbound, sitze ich einem Pärchen gegenüber, das sich angeregt mit einem ihrer Smartphones beschäftigt, was in heutiger Zeit ja schon fast der Gipfel der Old-school-Kommunikation ist. Also sie sprachen richtig miteinander, während sie das Display…

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Darfs ein bisschen mehr sein?

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GF_FrauFreundlich

GREETINGS ANS FINANZAMT  Die Restaurantquittung im Bild oben ist beinahe schon ein Sammlerstück. Weniger wegen der Kombination „Bedienung“ und „Freundlich“, die unsere Bildungs-Leser natürlich sofort als rhetorische Figur aus der Celan’schen Schwarze-Milch-Tradition erkennen: Klingt toll, gibts aber in der Realität eher nicht so oft. Aber das Neue ist: Eine Quittung gibts eben auch nicht mehr so oft. Wenn ich bezahlen möchte, höre ich vom Kellner jetzt immer öfter die kryptisch-hypnotischen Laute „zusamodereinzeln unbrauchnsieinerechnung?“. Um mich nicht als kleingeistig zu outen, sage ich dann eingeschüchtert meist Nein, nein… Manchmal bekomme ich dann für Millisekunden noch soetwas wie eine Aufstellung der Speisen und Getränke vor die Nase gehalten, auf Papier oder auf einem kleinen handygrossen Tablet. Immer öfter stösst der Kellner aber auch nur noch eine Ziffer hervor. Die, wenn man nicht wie beim Skatspielen von Anfang an bei jedem Posten im Geiste mitgezählt hat, gerne um zehn bis zwanzig Prozent über dem liegt, was man so ungefähr erwartet hat. Dazu gibts einen…

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